Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 14. September 1883

Jena 14. Septbr. 83

Liebste Mutter!

Auf diesem Rosa-Blättchen sende ich Dir den ersten Gruß aus unserer neuen „Villa Haeckel“ (– oder schöner: Villa Medusa!) Gestern ist der Einzug glücklich vollendet und heute ist unser erster Tag im neuen Daheim. Das Häuschen ist recht hübsch geworden, seiner reizenden Lage würdig. Vieles Einzelne ist noch nicht fertig; verschiedene Handwerker pochen, hämmern u. malen noch überall herum. Es wird gewiß noch 2 – 3 Wochen dauern, ehe wir aus dem gröbsten Chaos heraus sind; Alles liegt durcheinander! || Im Ganzen ist Alles gut gegangen. Nur habe ich mir leider beim Treppensteigen den Fuß vertreten, so daß ich cc. 8 – 10 Tage nicht ordentlich gehen kann. Es ist mir dies höchst ärgerlich, da ich grade jetzt überall nöthig bina, und sowohl im neuen Hause, als im neuen zoologischen Museum noch die größte Unordnung u. Verwirrung herrscht. Aber was hilft’s! Geduld!!

‒ Wir hoffen sehr, in cc. 2 – 3 Wochen wenigstens so weit in Ordnung zu sein, daß wir Dich liebste Mutter, und unsren Carl, als unseren ersten Besuch würdig empfangen können. Grade die erste October-Hälfte ist in Jena gewöhnlich noch sehr schön. ||

Zur Bezahlung einiger größerer Rechnungen brauche ich 2 – 3000 Mk. Am liebsten wäre es mir, wenn Du mir 2000 (oder, wenn es bereit liegt, 3000) Mk möglichst bald (morgen oder Montag) schicken könntest. Ist dies nicht gut möglich, so bitte ich um baldige Antwort.

‒ Inzwischen, liebste Mutter, sammle noch Kräfte zur Reise; obgleich Du dazu nicht Viel brauchst. Die Fahrt von Berlin her dauert ja nur 5 ¼ Stunden!

Mit herzlichsten Grüßen, auch von Agnes und den Kindern

Dein treuer Ernst.

a eingef.: bin

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
14-09-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Potsdam
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38881
ID
38881