Krukenberg

Gustav Krukenberg an Ernst Haeckel, Halle, 16. Februar 1891

Lieber Häckel!

Wenn es noch eine ausgleichende Gerechtigkeit in der Welt gäbe, so hätte Ihr Fräulein Tochter sich mit einem Berliner Hofprediger verloben müssen. Indeß das wäre zu schön gewesen u. so mögen Sie sich mit dem berühmten Hans Meyer begnügen, der den großen || Haufen der Meiers so weit überragt, wie der Kilimantscharo den Kruken-Berg. Ich und die Meinigen haben uns herzlich über die Verlobung gefreut und sagen Ihnen und Ihrem Fräulein Tochter die freundlichsten Glückwünsche.

Was mich betrifft, so werde ich zum 1ten April || wegen Altersdummheit meine gesamten Geschäfte niederlegen. Ich bin dann 70 Jahr alt und will in meiner Muße bemüht sein endlich durch das Studium orthodoxer Predigten und der Dogmengeschichte mich mit den christlichen Heilswahrheiten mehr vertraut zu machen, als das leider bisher der Fall gewesen ist. Doch hoffe ich ab und zu noch einige Tage übrig zu behalten um das alte, ver-||traute Jena aufzusuchen. Ich war mit meiner Frau im vorigen Herbst dort, fand aber Ihr Haus und den Thorweg verschlossen, woraus ich entnahm, daß Sie auf einer Ferienreise sich befanden.

Daß es Ihrem Bruder Carl gut geht und er noch sehr mobil [ist], hörte ich durch dritte Hand. Daß Sie noch immer frisch und kampfbereit, entnahm ich durch die Zeitung durch Ihre Angriffe auf die Kieler wissenschaftliche Expedition. Fahren Sie fort den Knüppel ab und zu zwischen die Hunde zu werfen, damit der alte Sauerteig etwas aufgerührt wird. Mit herzlichsten Grüßen an Sie und die Ihrigen von uns Allen. Ihr getreuer

Krukenberg

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-02-1891
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 28289
ID
28289