Bölsche, Wilhelm

Wilhelm Bölsche an Ernst Haeckel, Friedrichshagen, 10. Dezember 1898

Friedrichshagen, Ahorn Allee 19.

10. XII.98.

Lieber Herr Professor!

Anbei zwei Bilder, auf denen Ihr Pathchen allerdings erst einen etwas embryonal-verschwommenen Charakter besitzt, – inzwischen ist es schon wesentlich „durchgearbeiteter" geworden.

Ich habe in diesen Tagen einen Auftrag erhalten und übernommen, der mir sehr viel Freude macht und Sie wohl auch ein klein wenig interessieren wird. Der Verlag von Karl Reißner - Dresden || hat mich aufgefordert, Ihre Biographie zu schreiben, in einem hübsch ausgestatteten kleinen Bande von etwa 15 Druckbogen. Ich denke, gleich im Januar mit den Vorarbeiten zu beginnen und das Buch bis Juli etwa fertig zu stellen, so daß es zum nächsten Herbst erscheinen kann. In den großen Zügen glaube ich den Stoff klar zu überschauen, zu manchem biographischen Detail aber hoffe ich auf Ihre freundliche Hülfe. Ich komme auf alle Fälle in den ersten Monaten des neuen Jahres einmal zu Ihnen nach Jena und werde dann manche Frage || mitbringen. Ich möchte, daß das Buch sachlich möglichst genaue Angaben enthielte, da es ja als das erste seiner Art immer in der Folge eine gewisse Grundquelle bleiben wird. Es soll auch, wenn möglich, einige gute Illustrationen erhalten.

Etwas hinderlich empfinde ich im Moment, daß ich Ihre großen Monographien nicht selbst besitze, die Kalkschwämme, Medusen und Radiolarien. Sollte es möglich sein, für diesen immerhin außergewöhnlichen Zweck von den Verlegern ein Exemplar zu erhalten?

Im Uebrigen kenne und besitze ich das irgendwie wichtigere Material von Ihnen und über Sie wohl ziemlich || genau, da ich eigentlich seit vielen Jahren schon daran gesammelt habe. Doch besprechen wir das alles mündlich, es ist ja doch noch viel zu fragen! Für heute bloß die Nachricht selbst, die Sie hoffentlich erfreuen wird, ich habe grade im Moment den Vertrag abgeschlossen, so daß die Sache ganz sicher ist.

Mit herzlichsten Grüßen auch von meiner Frau

Ihr Wilhelm Bölsche

Vielen herzlichen Dank für Ihren prächtigen Vortrag in Cambridge. Mein Liebesbuch geht, merkwürdigerweise, buchhändlerisch vortrefflich!

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
10-12-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 9586
ID
9586