Magnussen, Harro

Harro Magnussen an Ernst Haeckel, Berlin-Grunewald, 8. April 1902

Harro MagnussenGrunewald-Berlin, d 8ten April1902

BildhauerDelbrück-Strasse 23.

Sehr verehrter Herr Professor!

So lange Herr Dr. v. Ritter nicht mir persönlich Mitteilung davon macht, daß er aus irgend einem Grunde vom Vertrage zurückzutreten gedenkt, halte ich mich an den Vertrag gebunden, er konnte mit Ihnen gar nicht abmachen, daß er den Vertrag mit mir löst, sondern Ihnen konnte er nur beiläufige Mitteilung davon machen. Er hat den Vertrag mit mir und nicht mit Ihnen geschlossen. Sie haben mir mitgeteilt daß Herr v. Ritter sich jedes Urteils über dena Denkmalsentwurf enthalten will und es Ihnen und Ihren Freunden überläßt. ||

Sie und Ihre Freunde sind einverstanden mit dem Entwurf, also fange ich an ihn groß auszuführen, denn ich kann nicht darauf warten, ob Herr v. Ritter seine Schrullen ändert, ich bin vertraglich gebunden bis zum 1. Mai 1904 fertig zu sein und so lange Herr v. Ritter mir keine Mitteilung macht, besteht dieser Vertrag für mich. Da er verzichtet hat auf Urteil, so bin ich nur abhängig von dem „Comite“. So wie ich aber das Große angefangen habe, müßen mir 15.000 M zur Verfügung gestellt werden. Kommen diese nicht, reiche ich Klage ein wegen Zahlung von zusammen 20.000 M. ||

Dann wird Herr v. Ritter sich wohl eines andern besinnen und nicht mehr glauben daß es ihm als reichen Manne gestattet ist Verträge grund- und sinnlos zu brechen. Ich bitte Sie, mir in der oben angedeuteten Art der Behandlung der Angelegenheit keine Einwendungen zu machen. Ich bediene Herrn v. Ritter nur mit derselben Münze, mit der er mir auszuzahlen gedenkt. Er glaubt, weil im Vertrage sein Urteil maßgebend ist, einfach daraus Nutzen ziehen zu können und weil er b nicht zu Ihren Lebzeiten das Denkmal enthüllen darf, den Vertrag einseitig zu Ihrem und mei-||nem Schaden aufheben zu können. Darum muß es mir auch gestattet sein, auf seine Schwächen meine Waffen zu richten um nicht geschädigt zu werden.

Er hat schriftlich Ihnen gegenüber verzichtet auf jedes Urteil und hat es dem Comite anheimgestellt – also bedürfen wir seines Urteils nicht mehr. Er hat mir nichts von Aufhebung des Vertrags gesagt oder geschrieben, also besteht der Vertrag für mich weiter, nur daß er selbst auf jedes Urteil verzichtet hat. Also arbeite ich ruhig weiter und bitte ihn eines Tags um Zusendung von 15.000 M weil ich mit der großen Figur angefangen habe. Sagt er „nein“ so klage ich, und er fällt hinein.

Mit bestem Gruße

Magnussen

a korr. aus: das; b gestr.: es

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-04-1902
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 9145
ID
9145