Aegidi, Ludwig Karl

Ludwig Karl Aegidi an Ernst Haeckel, Hamburg, 16. Februar 1863

Lieber verehrter Freund.

Es trifft sich, dass ich erst am 16ten Februar dazu komme, Ihnen für die freundliche Erfüllung der drolligen Bitte und für die köstliche Art dieser Erhörung meinen Dank zu sagen. Besser, Sie hätten selbigen Dank am 16 t n und er läge mit den Couverts zahlreicher Gratulationsbriefe im Papierkorb, dem er nun post festum entgegenreift. Aber Sie sehen nun wenigstens, dass die alten Traditionen der Freundschaft in mir lebendig sind! Den 16 t n Fbr . habe ich ja mitgefeiert, ehe ich Sie kannte. Ja, dieser 16te Fbr. hat mir den Jugendfreund vor Zeiten erst recht theuer gemacht: als ich das strahlende Gesicht Ihres Bruders an diesem Tage sah und hörte, mit welcher innigen Liebe er von seinem Brüderchen sprach, da hätte ich ihm um den Hals fallen mögen und war jedenfalls mit Leib und Seele bei der Geburtstagsfeier! Freilich, die erste in Heidelberg wurde uns getrübt – es war der Tag, an welchem Regenbrechts Verschwinden uns bekannt wurde u. an welchem wir ihn zu suchen auszogen. Aber 1846 waren wir fröhlich beisammen und ein andres Geburtstagskind || Josef Scheffel wurde mit gefeiert!

Auch heute müssen Sie es unsrem Hause halbzart machen; es ist zugleich der Geburtstag des Großvaters meiner Frau, des alten Sanden in Tussainen.

Sie aber feiern den Tag diesmal zuerst als Hausherr und Ehemann! Sei er denn der erste einer langen langen Reihe schöner Familienfeste!

Nun also unser Scherz. Am 13t n war es, wo der Oberalte Göring zu „Snuten u. Pöten“ d. h. zu unendlich Andrem, wie alljährlich, seine Tafelrede hielt. Die Gesellschaft war höchst animirt. Da wirkte die Entscheidung der neulich angeregten Controverse zündend. Namentlich in der Form, welche Sie gewählt! Die Namen derer, welche Ihnen beigestimmt, mit ihrem wohltönenden Klang thaten auch das Ihrige. Der Contrast wirkte auch zu drastisch – Kuno Fischer, Leist, Danz, Häckel und diese großartige Frage! Danken Sie den verehrten Herrn bestens. Ob Consist. Rath Leist sich meiner noch von Göttingen her erinnert? –

Die Gutachten sind zu Protokoll gegeben. Ein Protokollextract mit dem von Pastor Roosen (alter Freund Karls) Ihnen und den andern Forschern ausgebrachten Hoch sollte Ihnen mitgetheilt werden.

Bitte, nehmen Sie nun meine Gegendienste || bald in Anspruch!

Ihrer lieben Schwägerin ergeht es hoffentlich wohl! Auch in Prag steht es nicht ganz hoffnungslos; doch ist es eine kleine schwache Hoffnung, an der wir festhalten. Meine theure Ida!

Grüßen Sie Ihre verehrte Frau recht herzlich von Martha, die auch Sie gegrüßt haben will, u. mir herzlich.

Ihres Papa’s Aufsatz über Gneisenau in den Preuß Jahrb. wiederzufinden, freute mich sehr. Empfehlen Sie mich doch gelegentlich auch den lieben Eltern!

Noch Eines – es wird wahrscheinlich unsre alte vacante Professur der Naturgeschichte mit einem Botaniker besetzt werden. Vielleicht Schleiden? Vielleicht Ernst Hallier? oder Rossmann oder Jessen – Er wird zugleich Director des Botan. Gartens. – Was rathen Sie?

In herzlicher Dankbarkeit

Ihr alter Freund

Aegidi

Hamburg | 16 Fbr. 63.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
16-02-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 9025
ID
9025