Bänsch, Paul

Paul Bänsch an Ernst Haeckel, Oels, 3. September 1912

Oels, den 3.9.12.

Hochverehrer Herr Professor!

Ich erlaube mir, Ew. Exzellenz meinen ergebensten Dank für Ihre Erwiderung auszusprechen. –

Ich fühle mich so sehr gedrungen, mich noch einmal an Sie mit der Bitte zu wenden: Versuchen Sie es einmal mit dem Gott der Bibel. Ew. Exzellenz handeln nach dem ganz berechtigten Grundsatz: Alles auf Grund der Erfahrung, des Erlebens. Es ist mir ganz gewiß, daß auch jeder ernstliche Zweifler von seinem (Gottes)a Dasein überzeugt werden wird, || sobald er sich ehrlich mit der Bitte an Gott wendet, sich ihm zu offenbaren. Er wird es tun, wenn ehrliche Wahrheitsliebe dazu treibt. „dem Aufrichtigen läßt er’s gelingen.“ –

Lassen Ew. Exzellenz mich aus meiner Bibel sagen, was ein Gottesmann über den sagt, der das Dasein Gottes leugnet: Ps. 14,1: „Der Tor spricht in seinem Herzen. Es ist kein Gott.“ So gewiß ist dem Psalmisten das Dasein Gottes. So gewiß ist es auch mir und jedem wahren Christen. Und das nicht || auf Grund gedankenlosen Fürwahrhaltens, sondern deshalb, weil es eine Zeit gab, in der Gott ganz real in mein Leben hineintrat, weil ich sein Sein täglich erfahre, weil er mich mit Kraft ausrüstet. Nein, ich bin von keiner religiösen Richtung befangen. Auf Grund ganz vieler, nüchterner Erfahrung bin ich ein Nachfolger Christi geworden. An das Christentum trat ich sehr skeptisch heran. Aber Gott sei Dank! Bald wurde ich eines Besseren belehrt – Viele Menschen glauben || nicht, daß ein Gott ist, weil sie wünschen, es gäbe keinen.

Ich finde in der Geschichte bestätigt, daß die Leugnung Gottes stets Jammer und Elend im Gefolge gehabt hat. Nie habe ich einen glücklichen Gottesleugner gesehen. Das sagt mir viel. Ich weiß von jungen Männern, die mit Ihren „Welträtseln“ in der Tasche und mit einer Kugel im Kopf tot aufgefunden wurden. Redet das nicht eine ernste Sprache. –

Gedenken Ew. Exzellenz Ihres hohen Alters. Ach, ergreifen Sie die Gnade Gottes noch. – Verzeihen Sie mir || meine Aufdringlichkeit, aber mein Gott treibt mich dazu, von ihm zu zeugen. Schreiben Ew. Exzellenz es keiner fixen Idee zu.

In achtungsvollster Ergebenheit

Ew. Exzellenz

gehorsamster Diener

Paul Bänsch,

Oels i./Schles.

Brüderstr. 6

a eingef.: (Gottes)

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
03-09-1912
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 8252
ID
8252