Basso, Fritzi von

Friederike (Fritzi) Basso von Gödel-Lannoy an Ernst Haeckel, Krumpendorf, 3. Juni [1909]

Krumpendorf 3/6

Hochverehrter Herr | Professor!

Wie soll ich Ihnen danken für Ihren so unendlich lieben Brief! Mein erster Gedanken war es gewesen Ihnen eigenhändig die Mittheilung zu machen vom Ende meines Vaters, aber ich fand nicht die Kraft zum Schreiben, und dann hätte mein Brief, so wie es auch mit || der nach Jena gesendeten Todesanzeige der Fall gewesen ist, Sie doch erst zu spät erreicht. Es that mir weh, wenn ein Mann wie Sie, hochverehrter Herr Professor, den mein Vater so unendlich geschätzt und geliebt hat, die Nachricht durch die Zeitungen erfuhr. –

Wohl seit längerer Zeit mussten wir vorbereitet sein und doch, als es dazu kam, traf es uns wie unerwartet. Immer sage ich mir vor, wie Wenigen || es gegönnt ist ihren Vater so lange zu besitzen, aber während die Vernunft so spricht, geht das Herz über und ich werde wieder unbescheiden. – Vom Leben hatte mein armer Vater wohl nichts mehr und als vor fast mehr als einem Jahr sein Geist umflort zu werden begann, war mir das fast noch bitterer wie nun der Tod.

Trotz vieler unverblümter Anspielungen ist es meinen Mann, || der mir treu zur Seite steht, gelungen, meinem Vater die Ceremonien der letzten Ölung etc. zu ersparen. Die Bücher meines Vaters werden wohl gelesen aber wie es scheint nicht verstanden, denn allgemein fast, hielt man ihn für einen „frommen“ Mann.

Indem wir beide Ihnen nochmals von ganzer Seele danken und warm die lieben Hände drücken

Ihre in aufrichtiger Ver-

Ehrung ergebene

Fritzi Basso

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
03-06-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 8067
ID
8067