Berger, Alwin

Alwin Berger an Ernst Haeckel, La Mortola, Ventimiglia, 16. April 1908

LA MORTOLA,

VENTIMIGLIA,

ITALY. 16. April 1908.

Sehr geehrter Herr Geheimrat!

Wir müssen Sie vielmals um Entschuldigung bitten, dass wir nicht schon längst auf Ihren freundlichen Brief geantwortet haben und für Ihr so schönes Geschenk der prächtigen Wanderbilder und Ihr Porträt gedankt haben. Wir sind leider wieder alle zusammen an Influenza krank gewesen; das ganze Haus glich einem Lazarett, es war das eine sehr ungemütliche Zeit. Wir bitten Sie also erst so spät unseren herzlichsten Dank entgegen nehmen zu wollen!

In La Mortola ist es nicht mehr wie es war, als Sir Thomas Hanbury noch lebte; es ist gar nicht mehr schön. Ich habe schon alle Hebel in Bewegung gesetzt von hier fortzukommen, nur ist es mir bis jetzt nicht geglückt. Ich hatte mich um eine Stelle auf dem Achilleion || auf Corfu beworben, aber leider vergeblich; geradeso ging es mir mit den Kolonien, ich hatte bei Dernburg um Verwendung in Deutsch Süd West Afrika angefragt. Grossherzog Friedr. von Baden hatte dieses Gesuch unterstützt, aber Dernburg hatte auch keine Stelle. Jetzt habe ich Gesuch um Gesuch geschrieben betreffs der Villa Falconieri in Frascati, die ja dem Kaiser gehört und wo auch ein grosser Garten ist. Althoff hatte seinerzeit extra einen Obergärtner aus dem Botan. Garten geschickt um genauen Bericht über den Garten zu erhalten. Der Preuss. Kultusminister schrieb mir, dass vorläufig „die Verwaltung der Villa noch nicht ins Einzelne übersehen werden kann“. Selbst das Ackerbauministerium der Vereinigten Staaten hat sich bemüht und mir eine Stellung in Californien in Aussicht gestellt, aber ich möchte nicht gern so weit ziehen, da ich lieber im deutschen Dienst bleiben möchte und ferner mit zwei kleinen Kindern das Reisen kein grosses Vergnügen macht. – Es bleibt mir also nichts übrig, als hier in Geduld auszuharren!||

Vielleicht sind Gerüchte über ein Internationales botan. Institut in La Mortola bis zu Ihnen gedrungen. Die Absicht so etwas zu begründen, mag ja ‘mal bestanden haben, nur bin ich nicht im Stande zu sehen, wie das gemacht werden soll. Herr Geh. Rat Strasburger war im vorigen Monat hier, er wird Ihnen genaueres darüber mitteilen können. – Jetzt wird es schwer sein aus der Familie a etwas herauszubekommen, ich wage es daher auch nicht ihnen Ihren Vorschlag zu unterbreiten. Wie gesagt es ist nicht mehr wie es war; Sir Thomas war eben anders. –

Wir haben im Echo mit Entrüstung von dem Attentat gelesen. Diese Niederträchtigkeit! Es ist jetzt überhaupt kein Vergnügen der Politik daheim zu folgen, innen und aussen! Schwarz und Rückschritt scheinen Trumpf zu sein. –

Wir hoffen, dass es Ihnen recht gut gehen möge und senden Ihnen unsere besten Glückwünsche und Grüsse, als

Ihre sehr ergebenen

Alwin und Elise Berger.

a gestr.: Etw

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
16-04-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 7359
ID
7359