Bleek, Wilhelm Heinrich Immanuel

Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek an Ernst Haeckel, Mowbray bei Kapstadt, 18. Oktober 1867

Mowbray bei d. Kapstadt 18. Okt. 1867.

Mein lieber Ernst,

Vielen Dank für Deine beiden Briefe, v. 29 Aug.a und für die anderen Sendungen, die mich äußerst interessiren. Diezugesandten Stücke Deines Buches muß ich aber, wenn die Mail fort ist, erst durchlesen. Ich habe sie erst ein paar Tage in meinen Händen haben. b Ich hoffe mit der Zeit Dein ganzes Buch zu lesen Gelegenheit zu haben. Die Bedingungen des Buchhändlers sind allerdings durchaus nicht wie ich sie erwartet hatte, da ich dachte, daß sie wenigstens mir die nicht unbedeutenden Druckkosten deken würden. Aber freilich habe ich wohl nicht daran gedacht, daß ich in Deutschland wohl nach so langer Abwesenheit ein Fremdling bin. Gegen das Anerbieten, wie es die Buchhandlung von Bühler macht, wäre wenn sie eine sehr respektable durchaus honette Firm ist, nichts || auszusetzen. Leider sind meine Erfahrungen der Art, daß mit der gewöhnlichen Sorte Englischer Buchhändler wenigstens bei einem solchen Arrangement für den Autor nichts, oder nur; in seltenen Fällen etwas, und Niemals das ganze ihm zu kommende heraus kommt, – namentlich wenn die Firm und nicht der Autor die Druckerei unter Kontrolle hat, und die Anzahl der Exemplare beliebig vervielfältigen kann. Doch Du mußt die Firm ja kennen, und will ich mich in der Beziehung ganz auf Dich verlassen; und ermächtige Dich mit der Firm ein Abkommen zu treffen. Doch die Bedingung muß ich stellen, daß die Probebogen (ich meine ein Abzug) mir zugeschickt werden, da das Werkchen so klein ist, so wird es die Buchhandlung wohl wenig inkonveniren den Satz etwa || drei bis höchstens vier Monate stehen zu lassen. In dem Falle könnte der Satz gleich beginnen, obschon ich möglicherweise die Veröffentlichung noch etwas bis zum Herauskommen der Englischen Ausgabe verzögern möchte. Ich bin Dir sehr dankbar für Dein Anerbieten über die Abstammung des Menschen Dich in einem Vorworte oder Einleitung des Näheren auszulassen. Es würde eine sehr werthvolle Zugabe zu meinem Versuche sein. Solltest Du dabei es für gut halten, nach Wunsche des Verlegers etwas über „Die Veranlassung des Druckes des Schriftchens in Deutschland, die eigenthümliche Lebensstellung des Verfassers u.s.f.“ zu sagen, so wirst Du es begreiflich || finden, daß ich namentlich solches bevor es vor das Publikum komme zu sehen wünschte, da man nach so langer Abwesenheit vielleicht etwas zu viel Werth darauf legt, in welchem Lichte man zu Hause betrachtet wird, und da mein Lebensgang in mancher Hinsicht ein so komplizirter erscheinen mag, daß ich weiß, daß selbst viele der mir nächststehenden keine klare Idee davon haben. Dies ist wohl der Theil, den ich namentlich vor Publikation sehen möchte. Das andere ist nicht so nothwendig. – Doch ich muß schließen. Mit Gelegenheit sende ich Dir Layard’s Birds of S. Africa. – Unsere herzlichen Glückwünsche Dir und Deiner lieben Frau, mit der wir hoffentlich auch ehelange Bekanntschaft machen werden. Auch beste Grüße an Freund Schleicher. Nächstens mehr über mein jetziges Treiben,

Dein getreuer Vetter Wilhelm H. I. Bleek

a eingef.: v. 29 Aug.; b gestr.: u.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
18-10-1867
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 7044
ID
7044