Bleek, Auguste

Auguste Bleek an Ernst Haeckel, Bonn, 20. Dezember 1871

Bonn den 20t December 71.

Lieber Ernst

Deinen Brief v. 15t erhielt ich am 17t und Tags darauf die Postanweisung. Das Geld habe ich Wilhelm in Rechnung gesetzt und sende Dir die gewünschte Quittung hierbei. Die Adresse des Krautfabrikanten ist: Herr G. Hagens – Eversal bei Orsoÿ am Niederrhein. Doch zweifele ich, daß welches zu haben ist. In unserer Gegend hat es dies Jahr gar keine Aepfel gegeben, so daß es zum Krautkochen gar nicht gekommen ist. Wollt Ihr den Versuch machen ob noch vorjähriges zu haben ist, so bemerke ich, daß das, was Ihr erhalten habt vom besten süßen Aepfelkraut war und damals ohne Faß und sonstige Nebenkosten das [Pfund] 4 Sgr. kam. Irr ich nicht, so war das Fäßchen, was ich Dir schickte ¼ Anker a. Wir haben für unseren Gebrauch zum Glück noch etwas Vorrath, was sehr wünschenswerth, da die Butter dies Jahr sehr theuer und oft schlecht ist. Die Aepfel fehlen uns täglich im Haushalt und weiß man oft gar nicht fertig zu werden besonders jetzt, wo Theodors Kinder hier || sind, während die Eltern in Lippstadt die Wohnung einrichten. Theodor hofft, daß sie am Samstag d. 23t zurückkommen und die Weihnachtstage bei uns bleiben können. Sie denken dann am 27t mit den Kindern nach Lippstadt zurückzureisen. Die Stelle ist eine allerdings bedeutend bessere, besonders wenn es sich als richtig herausstellt, daß es dort nicht theuer ist, was mir etwas zweifelhaft. Die Trennung v. Sobernheim war aber auch nicht leicht. Theodor hatte dort einen Wirkungskreis, in dem er so recht unmittelbar erfuhr, was er Gutes stiften konnte. Es folgt ihm auch die dankbare Anerkennung der Gemeinden, die sich auch in der Schenkung eines sehr schönen silbernen Pokals von Seiten der Stadtgemeinde bethätigte, während die Landgemeinden ihm 2 silberne Leuchter und 2 Kuchenkörbe von Silber überreichen ließ, alles sehr geschmackvoll gearbeitet. Doch läßt auch die einstimmige Wahl in Lippstadt hoffen, daß er auch dort sich Vertrauen erwirbt und eine befriedigende Wirksamkeit findet.

Daß Deine beiden Kinder gut gedeihen freut mich sehr; ich hoffe Deiner || lieben Frau geht es auch gut. Es thut mir leid, daß ich sie gar nicht kenne. Vielleicht bringst du sie im Sommer mal hier her. Sollte Max Schulze fortgehen, so fällt freilich ein Anziehungspunkt für dich fort. Vor einigen Tagen war es noch unentschieden. Doch ist die Befürchtung, daß er geht, groß; auch die Frau sprach sich in dieser Weise aus; sie meint es sei kaum möglich, daß das was ihn hier forttreibe zu ändern wäre.

Also Du hast auch Sorge um Karls Gesundheit; Tante Bertha sprach recht besorgt über ihn. Wäre nur die warme Jahreszeit näher, nach der ich mich auch sehne. Ich leide auch viel am Halse, doch thut mir pinseln mit Höllenstein und zuweilen Catechin recht gut. Ich bin eine alte verbrauchte Maschine und kommt dabei oft Aufsteigen des Blutes zum Kopf vor, daß mich darauf hinweist, auf ein plötzliches Abgerufenwerden gefaßt zu sein. Die jungen Hertwigs waren kürzlich hier, ich konnte sie leider nicht sehen und so konnten sie nur Hedwig und Anna empfangen. Mein körperliches Befinden hindert mich auch sie öfter zu uns zu bitten, was mir leid ist. ||

Nach Deiner Mutter sehne ich mich recht oft und wäre nur andere Jahreszeit, so würde ich sie ernstlich bitten her zu kommen. Wäre sie nur hier so glaubte ich könnten wir ihr den Aufenthalt ganz behaglich machen.

Grüße Deine Frau herzlich, dem sich Hedwig und Anna mit Gruß auch für Dich anschließen. Deinen Kindern gieb einen herzhaften Kuß von der

alten Großtante

A. Bleek.

Karl jun. studirt wohl jetzt in Jena. Ich hoffe es geht mit seiner Gesundheit gut. Grüße ihn herzlich.

a gestr.: gewesen sein

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-12-1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EA 7013
ID
7013