Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Bielefeld, 1. November 1915

Bielefeld, 1. Nov. 1915

Sehr geehrter Herr Professor!

In der in New York erscheinenden „Evening Post“ vom 2. Oktober d. J. finde ich die Besprechung eines neuen zweibändigen Werkes von Henrietta Litchfield, einer Tochter

Darwins, mit dem Titel: „Emma Darwin, A Century of Family Letters“. Das Buch enthält

hauptsächlich Briefe der Familien Darwin und Wedgewood und schildert vielfach auch das Leben in Down. Auch Ihrer wird in dem Buch gedacht. Frau Darwin hat über einen Ihrer Besuche an ihren Sohn Leonard geschrieben.

„Haeckel came on Tuesday. He was very nice and hearty and affectionate, but he bellowed

out || his bad English in such a voice that he nearly deafened us. However that was nothing

to yesterday, when Professor Cohn (quite deaf) and his wife (very pleasing) and a Professor R. came to lunch – anything like the noise they made I never heard.”

Diese Schilderung der guten Frau Darwin wird Sie sicherlich erheitern und an einen Ihrer

Besuche in Down wieder erinnern. Das Buch ist bei D. Appleton & Co. in New York erschienen. Ich werde einmal den Versuch machen es zu bekommen. Sie selbst kennen es wohl auch noch nicht? Nach der langen Besprechung in der „Evening Post“ scheint es sehr interessant zu sein, wenigstens für || uns, soweit Charles Darwin selbst in Frage kommt.

Wenn Sie es wünschen, kann ich Ihnen die Zeitung einmal schicken.

Die neue Auflage von Heinrich Schmidts „Wörterbuch“ habe ich noch nicht gesehen. Ich habe das kleine Buch oft bei Bekannten empfohlen und zwar mit Erfolg. Erst vor wenigen

Tagen fragte mich wieder Jemand nach einem solchen Buche.

Haben Sie in Ihrer Privatbücherei vielleicht das Reisewerk der Vettern Sarasin? Ich würde es sehr gern einmal lesen. Haben Sie es aber nicht bei sich zu Hause, dann geben Sie sich bitte keine Mühe deßhalb.

Vor einigen Tagen erhielt ich aus Nord-Amerika ein reizend illustriertes Büchlein: „The Fable of the stuffed Lion“, von einem Herrn M. Mc Cann || geschrieben und durchaus deutsch-freundlich und england-feindlich. Ich habe die Absicht eine deutsche Ausgabe zu

veranstalten, wenn ich die Erlaubnis dazu erhalte. Ich habe dem Verfasser soeben dieserhalb geschrieben. Das Büchlein, dessen deutschen Text ich in einigen Klassen unserer Schule mit großem Erfolg vorgelesen habe, könnte auch bei uns große Verbreitung finden, denn Text und Bilder sind vortrefflich.

Mit herzlichen Grüßen bin ich in alter Treue

Ihr ergebenster

Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
01-11-1915
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6168
ID
6168