Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede, 16. August 1914

NEUE WELTANSCHAUUNG

MONATSSCHRIFT FÜR KULTURFORTSCHRITT…

AUF NATURWISSENSCHAFTLICHER GRUNDLAGE

REDAKTION: DR. W. BREITENBACH, BRACKWEDE I. W.

BRACKWEDE, 16.8.14

Sehr geehrter Herr Professor!

Besten Dank für die Übersendung des Jenaer Volksblattes mit Ihrem vortrefflichen Aufsatz,

der in so würdigen und schwungvollen Worten die augenblickliche Lage und die Schuld namentlich Englands an dem nun entbrannten Weltkriege beleuchtet. Die Teilnahme Englands an diesem Kriege auf der Seite unserer Gegner ist eine der unbegreiflichsten Erscheinungen der Geschichte und es ist wohl als selbstverständlich anzunehmen, daß die wirklich gebildeten Kreise Englands von einem solchen Kriege nichts wissen wollen. Es ist nicht abzusehen, || welche materiellen Werte durch den Krieg in allen Ländern der Erde vernichtet werden, denn der wirtschaftliche Rück- und Niedergang wird unerhört groß werden. Viel schwerwiegender aber wird der entsetzliche Verlust an Menschenleben sein, der auf Millionen zu schätzen ist. Am gewaltigsten aber wird die menschliche Kultur leiden, die unter Umständen um Jahrhunderte zurückgeworfen wird. Und nun muß man schaudernd erkennen, daß die Hauptschuld an diesem Unheil das Volk trifft, das uns stammverwandt ist, das wir mit uns als den Träger der höchsten Menschheits-Kultur betrachteten und mit dem uns so viele und starke Bande verknüpfen. Dieser Frevel ohnegleichen muß und wird bestraft werden und das Bündnis Englands || mit falschen und hinterlistigen Romanen und Halbasiaten wird sich bitter rächen. Unser ganzes Volk ist eine geschlossene Einheit wie noch niemals zuvor; heiliger Zorn hat unser Heer ergriffen und wir werden siegen, weil wir siegen müßen, weil wir die höhere, die höchste Kultur vertreten und diese nicht zugrunde gehen darf. Und wenn wir dann, hoffentlich bald, unsere Feinde niedergeworfen haben, dann wollen wir Deutsche für die nächsten Jahrhunderte den Weg bestimmen, den die Menschheit zu gehen hat und das Dichterwort soll wahr werden: Und es soll an deutschem Wesen hoch einmal die Welt genesen!

Sie sprechen mit Recht von der Blutschuld Englands und diese Anklage sollte laut in der ganzen Welt verkündet werden. Ich hoffe, daß eine größere Anzahl der Zeitungen || oder

Sonderdrucke des Aufsatzes an viele einheimische und ausländische Zeitungen verschickt

werden. Besonders kämen österreichische, schweizer und nordamerikanische deutsche

Zeitungen in Frage. Vielleicht auch skandinavische und italienische Blätter. Ihre wuchtige

Anklage, mit Ihrem weltbekannten Namen unterzeichnet, muß in alle Welt hinausgetragen

werden, damit diesem falschen England der richtige Spiegel vorgehalten wird. Ich werde mich bemühen, befreundete Zeitungen zum Abdruck zu veranlassen und habe eben an das Volksblatt geschrieben, auch einige Exemplare zur Verfügung zu stellen.

Mit treudeutschem Gruß und in festem Vertrauen auf den Sieg unseres teuren Vaterlandes

Ihr ergebenster Schüler

Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
16-08-1914
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6158
ID
6158