Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede, 10. April 1914

NEUE WELTANSCHAUUNG

MONATSSCHRIFT FÜR KULTURFORTSCHRITT…

AUF NATURWISSENSCHAFTLICHER GRUNDLAGE

REDAKTION: DR. W. BREITENBACH, BRACKWEDE I. W.

BRACKWEDE, 10.4.14

Sehr geehrter Herr Professor!

Gestern habe ich Ihnen 2 weitere Bogen Korrektur geschickt, die Sie inzwischen wohl erhalten haben werden. Aus Ihrem letzten Brief (vom 4. d. M.) habe ich zu meiner Freude

ersehen, daß das Phyletische Archiv nun in absehbarer Zeit ein definitives Heim erhält, so

daß es nicht von der Gnade Prof. Plates abhängig ist oder bleibt. Für das Benehmen dieses

Herrn Ihnen gegenüber gibt es keinen parlamentarischen Ausdruck, es ist tatsächlich unglaublich! Sie schreiben mir, der Gedenksaal mit den Bildern, Geschenken etc. solle auch später in dem || jetzigen Museums-Gebäude bleiben. Hoffentlich sind die Abmachungen darüber so getroffen, daß Plate nicht doch später diesen Raum für sich beanspruchen kann oder daß er den Gedenksaal so ausstattet, daß man ihn kaum noch als Haeckel-Saal erkennt.

Ich traue Plate in dieser Hinsicht vieles zu, nachdem ich gesehen habe, wie er sich schon jetzt bemüht, Ihren Namen im Museum möglichst verschwinden zu lassen.

Daß Dr. H. Schmidt jetzt an der „Geschichte der Entwicklungslehre“ arbeitet, war mir

erfreulich zu erfahren. Natürlich wird seine Arbeit nur ein erster Entwurf einer solchen Geschichte sein können, der dann später in Einzelheiten weiter ausgeführt werden muß.

Ich bin der Meinung, || daß eine solche Geschichte das Interesse an der Entwicklungslehre

neu beleben wird.

Aus einer Zeitungsnotiz ersehe ich eben, daß der Keplerbund schon über 8000 Mitglieder

hat, er hat also den Monistenbund wesentlich überholt. Im nächsten Heft der N. W. A. erscheint ein guter Aufsatz über den Keplerbund von Prof. Hugo Spitzer-Graz.

Herr Prof. Kocks – Bonn hat eine Broschüre gegen Dennert etc. verfaßt, die er in meinem

Verlag erscheinen lassen will. Er möchte sie gern Ihnen widmen. Haben Sie etwas dagegen?

Auch Herr E. Ruckhaber – Berlin will seine Ihnen ja bekannten „Epigramme“ bei mir herausgeben. Er schrieb mir gestern deshalb und ich || hoffe, daß wir uns über die

Verlagsbedingungen einigen. Herr R. schickte mir auch einen Aufsatz gegen die Philosophie Bergsons, der bald in der N.W.A. erscheinen soll. Auch sonst habe ich in letzter Zeit wieder eine Anzahl guter Aufsätze für meine Zeitschrift

erhalten.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr treu ergebener

Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
10-04-1914
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6152
ID
6152