Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede, 13. April 1912

DR. WILHELM BREITENBACH

BRACKWEDE, 13.4.12

Sehr geehrter Herr Professor!

Falls Sie die Zeitschrift E. Horneffers: „Die Tat“ zur Hand haben, bitte ich Sie, einmal Heft

12 von 1911, S. 590, 591, nachzulesen. Hier proklamiert Horneffer als die Religion der Zukunft ganz einfach die Freimaurerei und als deren Symbol den „schaffenden u. bauenden

Menschen“. Haben Sie jemals daran gedacht, daß der 2. Vorsitzende des Monistenbundes ||

dahin kommen könnte, einen solchen Vorschlag zu machen? Ich kann mir nicht helfen, aber diesen Unfug muß ich in einem meiner nächsten Hefte zurückweisen. Wie kann man Monisten (– in unserem Sinne –) und Freimaurer in einem Topf zusammen werfen! Die

letzteren selbst werden sich ganz entschieden dafür bedanken.

In den letzten Tagen habe ich eine eingehende Kritik des Buches von E. de Cyon verfaßt, ||

die nach ihrem Erscheinen hoffentlich Ihren Beifall findet.

Haben Sie schon einen Blick in das neue große Werk von J. G. Vogt: „Der absolute Monismus“ geworfen? Weshalb wird dieser bedeutende Geist so systematisch totgeschwiegen? Die Bundeszeitschrift „Der Monismus“ soll es sogar rundweg abgelehnt haben, das Buch zu besprechen. Ich werde das Gegenteil tun; ich habe Vogt sogar zur Mitarbeiterschaft an der N.W.A. aufgefordert und er hat mir auch schon einen Aufsatz || geschickt. Ich bin sehr erfreut, die Bekanntschaft dieses Mannes gemacht zu haben.

Ostwalds Vorschlag, monistische Klöster zu gründen, hat bei allen, mit denen ich darüber

sprach, Kopfschütteln hervorgerufen. Bald wird es wohl auch monistische Äbte, Bischöfe,

Kardinäle und einen Papst geben! Die neue Bundeszeitschrift habe ich noch nicht gesehen.

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen wie stets

Ihr treu ergebener

Schüler Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
13-04-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6109
ID
6109