Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede, 15. Dezember 1911

NEUE WELTANSCHAUUNG

ORGAN DES „HUMBOLDT-BUNDES FÜR

NATURWISSENSCHAFTLICHE WELTANSCHAUUNG“.

REDAKTION: DR. W. BREITENBACH, BRACKWEDE I. W.

BRACKWEDE, 15.12.11

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich habe schon so lange nichts mehr von Ihnen gehört und erhalte so oft Anfragen nach Ihrem Befinden, daß ich mir erlaube, Sie zu fragen, wie es Ihnen geht und ob Ihre Genesung gute Fortschritte gemacht hat.

Vor mehreren Wochen habe ich mich zur Aufnahme in das Weimarer Kartell gemeldet; leider sind aber die Satzungen so unzweckmäßig, daß über meinen Antrag erst im kommenden Sommer abgestimmt || werden kann. Zudem muß der Antrag auch noch von zwei dem Kartell schon angehörenden Vereinen unterstützt werden. Diese Bestimmungen machen fast den Eindruck, als wenn man keine neuen Mitglieder mehr haben wollte. Jedenfalls bekunden sie ein sehr geringes Organisationstalent und es nimmt nicht Wunder, daß das Kartell bisher keine Fortschritte gemacht hat.

In steigendender Zahl erhalte ich Briefe, in denen lebhaft bedauert wird, daß ich nicht im

Monistenbund tätig sei und die Schreiber hoffen alle bestimmt, daß recht bald ein Modus

gefunden werden möge, der meine Mitarbeit ermögliche. Es wird Ihnen || wohl auch aufgefallen sein, daß in den letzten Monaten ein wiederholter Wechsel des Verlages des „Monismus“ eingetreten ist, der jedenfalls nicht von Nutzen ist und nach außen schlecht wirkt.

Es sollte doch unbedingt danach gestrebt werden, endlich Stetigkeit in die Geschäftsführung

zu bringen.

Wiederholt habe ich betont, daß ich jederzeit bereit bin, mit dem M.– Bund zu arbeiten und mich in seinen Dienst zu stellen, wenn es an passender Stelle geschieht, sei es

als Verleger und Drucker oder als Redacteur. Daß unter meiner Leitung das Bundesorgan

inhaltlich nicht schlechter als bisher würde, brauche ich kaum zu betonen. Die „Neue

Weltanschauung“ || hat meine Befähigung zum Redacteur hinlänglich erwiesen, wie ich

glaube. Eine Verschmelzung meiner Zeitschrift mit dem „Monismus“ ließe sich in einem

solchen Falle ins Auge fassen und evtl. auch ermöglichen. Ich weiß aber nicht, wie das eingeleitet werden kann, denn ich meinerseits kann mich nicht aufdrängen und muß warten,

ob man vom Bund aus an mich herantritt. Geschieht das von leitender Seite aus, so wird

sich bei gutem Willen ein gangbarer Weg zum Wohl des Allgemeinen finden laßen.

Mit den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen und freundlichen Grüßen in alter Treue

Ihr ergebenster Schüler

Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
15-12-1911
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6100
ID
6100