Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede , 11. Dezember 1910

NEUE WELTANSCHAUUNG

MONATSSCHRIFT FÜR KULTURFORTSCHRITT…

AUF NATURWISSENSCHAFTLICHER GRUNDLAGE

REDAKTION: DR. W. BREITENBACH, BRACKWEDE I. W.

BRACKWEDE, 11.12.10

Sehr geehrter Herr Professor!

Für die freundliche Übersendung Ihrer neuen Schrift über die „Embryonen-Fälschungen“ sage ich Ihnen meinen herzlichen Dank. Ich habe sie gleich mit dem größten Interesse gelesen; sie ist außerordentlich frisch geschrieben und wird hoffentlich gut wirken.

Freilich, die Leute um Brass, Dennert und Wasmann werden Sie auch dadurch nicht bekehren, denn sie wollen gar nicht belehrt sein, sondern Sie unter allen Umständen „vernichten“.

Ich bin sogar überzeugt, daß nun die Hetze gegen Sie von neuem losgeht. ||

Auf die Differenz zwischen Ihrer Sandalionfigur und der Zeichnung der Grafen Spee habe ich schon in der N. W. A. im Jahre 1908 hingewiesen und ich habe den Unterschied in derselben Weise erklärt wie Sie es tun – Schrumpfung, Folgen der Präparation usw.

Die Erwiderung Unolds auf meinen Aufsatz über „Monismus und Monistenbund“ geht auf die Sache gar nicht ein, übergeht die Fälle Horneffer und Vielhaber stillschweigend, sucht mich dagegen in ganz perfider, pfäffischer Weise zu verdächtigen; ich treibe unlauteren Wettbewerb und mir liegt nichts an der Sache, sondern nur an meiner Person. Sie wissen, daß ich die ganze Arbeit für die Redaktion der Zeitschrift vollkommen ohne einen Pfennig Honorar leiste, || was man von gewissen Herren des M. B. bekanntlich nicht sagen kann. Es widerstrebt mir innerlich, dem Herrn Dr. Unold die ihm gebührende Antwort zu geben; ich müßte sonst sehr deutlich werden. Wenn ich aber dazu gezwungen werde, benutze ich alle die Waffen, die ich zum Glück besitze. Die Herren haben sich nicht damit begnügt, mich aus dem Monistenbund herauszudrängen, sondern sie haben sich von Anfang an feindlich gegen meine Zeitschrift gestellt und sie totzuschweigen gesucht.

Ist das monistische Ethik und Kameradschaftlichkeit, wie wir sie in unseren Reihen pflegen

sollten? Solange man mir wie Unold schmutzige Motive für meine hingebende und opfervolle Arbeit für den Monismus unterschiebt, kann ich mit jenen Herren natürlich nicht zusammen arbeiten, sondern muß || meinen Weg allein gehen. Ob ich dabei unserer monistischen Sache einen Dienst leiste, kann ich getrost dem Urteil meiner Mitmenschen überlassen. Die Anerkennung, die meine Arbeit bei vielen der besten Monisten findet, genügt mir, wenn auch der Vorsitzende des Monistenbundes mich öffentlich beschimpft und verächtlich zu machen sucht.

Haben Sie den Artikel „Prof. Haeckel und der Monistenbund“ in der „Kreuzzeitung“ vom 8. d. M. gelesen? Er hat für Sie Interesse.

Mit besten Grüßen bin ich in alter Treue

Ihr ergebenster Schüler

Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
11-12-1910
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6091
ID
6091