Thon, August

August Thon (Prorektor) an den Senat der Universität Jena, Jena, 15. Mai 1894

Patres academiae venerandi!

Ich beehre mich, Ihnen ein Ministerial-Rescript zur Kenntniß zu bringen, wonach die Durchlauchtigsten Erhalter beschlossen haben

1.) eine außerordentliche Professur für Geologie und Paläontologie an der Universität Jena zu errichten;

2.) dieser Professur den Namen „Haeckel-Professur für Geologie und Paläontologie“ beizulegen;

3.) dem jeweiligen Inhaber dieser Professur die Verpflichtung aufzuerlegen, im jährlichen Wechsel mit dem Inhaber der Ritter-Professur für Phylogenie im Monat Mai oder Juni eine öffentliche Vorlesung über ein geologisches Thema in der Universitäts-Aula zu halten;

4.) zu dieser Professur den a. o. Prof. Dr. Johannes Walther hier förmlich zu berufen.

Sicherem Vernehmen nach werden die || Mittel zur Besoldung der Haeckel-Professur (ebenso wie zur Besoldung der Ritter-Professur) der Ritter-Stiftung entnommen. Die Benennung haben die Durchlauchtigsten Erhalter, in Ehrung unseres berühmten Collegen, auf besonderen Wunsch des Herrn Dr. von Ritter der neuen Professur beigelegt.

Ich beantrage Berufungsschreiben und demnächst Berichterstattung ad Serenissimos.

Jena, 15. Mai 1894

Hochachtungsvoll

Thon

d. Z. Prorector.

Abschrift des Rescripts ist unmittelbar dem Herrn Dekan ordinis amplissimi zugegangen.

Demnach vom illustren Senat beschlossen:

Berufungsschreiben

J. 21/V 94.| Th.

Magnifice Academiae Prorector

Für gefällige Mitteilung dankend C. Siegfried | Desgl. Hirzel | Eucken | O. Lorenz

Magnifice!

Nach § 30 des Universitäts Status soll in der Regel vor jeder Ernennung eines a. o. Professors das Gutachten des Senats sowie der dabei zunächst betheiligten Fakultät eingeholt werden. Eine Verpflichtung besteht allerdings hierfür nicht; doch hat der Senat sicher das Recht, wenn eine Ernennung, wie im vorliegenden Fall ohne sein und der betreffenden Fakultätsgutachten erfolgt ist und er Bedenken dagegen hat, mit diesen Bedenken vor Vollziehung der Berufung vorstellig zu werden. Ob solche Bedenken im vorliegenden Fall gegen die Berufung des Prof. Walther bestehen und geltend zu machen sind, wird sich wohl nur aufgrund einer Äußerung der philosophischen Fakultät beurtheilen lassen. Ich beantrage daher: vor Ausführung der Berufung des Prof. Walthers das Regierungs-Rescript der philosophischen Fakultät zur möglichst beschleunigten Begutachtung zu überweisen und je nach dem Ausfall weiter zu verfahren.

Ich bitte diesen Antrag – mit Unterbrechung des bereits begonnenen Circels – den sämtlichen Mitgliedern des Senats vorzulegen.

Jena, 15. Mai 1894

Loening

i.V. des Ordinarius

Magnifice!

Meines Erachtens hat die philosophischen Fakultät nicht nur kein Bedenken gegen die Ertheilung eines Lehrauftrags für Geologie und Paläontologie an Herrn Professor Joh. Walther, sondern hat diese am Schluß ihres Denominationsberichts betr. die Besetzung des Lehrstuhls für Mineralogie und Geologie ausdrücklich beantragt. Es heißt dort wirklich: „im Hinblick darauf nimmt die Fakultät, unter ausdrücklicher Anerkennung seiner (nämlich des Prof. Walther) wissenschaftlichen Leistungen, bei dieser Gelegenheit Anlaß, ihn für die Ertheilung eines Lehrauftrags für Geologie und Paläontologie aufʼs wärmste zu empfehlen.“ Sollte sich bei den Mitgliedern der philosophischen Fakultät bei Kenntnißnahme der vorliegenden Missive Seiner Magnificenz kein Widerspruch gegen meine Auffassung erheben, so darf angenommen werden, daß dem vom Hrn. Collegen Loening gestellten Antrag bereits Genüge geschehen ist. Abschrift der Ministerial Verfügung habe ich erhalten.

v. d. Goltz

d. Z. Dekan der philos. Fakultät ||

Patres academiae venerandi!

Die Akten sind mir nach dem Antrage des Herrn Coll. Loening, den weiteren Cirkel zu unterbrechen, heute vorgelegt worden. Ich sehe mich nicht veranlasst, dem Antrage zu folgen. Die philosophische Fakultät hatte Ertheilung eines Lehrauftrages für den a. o. Professor Walther s. Z. beantragt, der Senat auch diesen Antrag zu dem seinigen gemacht. Da wir Personalisten-Professuren hier nicht haben, bedeutete dies: Errichtung einer (besoldeten) a. o. Professur für Geologie und Besetzung der Stelle durch p. Walther. Dementsprechend ist die Allerhöchste Verfügung erfolgt, alles Andere dürfte nicht Sache des Senats sein. Selbstverständlich kann jeder der Herren Collegen, gegenüber dem Versuche, die Angelegenheit durch Missive abzumachen, ad Senatum provociren und würde ich alsdann mit Beschleunigung eine Sitzung anberaumen. Da möglicherweise eine solche Provokation ev. in der Absicht des Coll. Loening lag, lasse ich ihm die Missive zunächst nochmals zugehen.

Jena, 16. Mai 1894

Thon

d. Z. Prorector

Nach den vorstehenden Bemerkungen des Herrn Dekans der philosophischen Fakultät und der mir nicht mehr gegenwärtig gewesenen Äußerung der Fakultät in ihrem mineralogischen Denominationsbericht über Prof. Walther ist mein früherer Antrag allerdings bereits erledigt und ich ziehe denselben hiermit zurück, unter Zustimmung zu dem Antrag Sr. Magnificenz. Loening

Für gefällige Vorlage dankend Gärtner | pr. Pierstorff | pr. Franken | pr. Winkelmann | Braun | Seyerlen | M. Fürbringer | Riedel | Stickel | Knorr | Delbrück | Hilgenfeld | Leist | Gelzer | Nippold | Stahl | pr. Goetz | Liebmann | Thomae | Kauffmann | pr. Müller | pr. Haeckel | Stintzing

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
15-05-1894
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
UAJ
Signatur
UAJ, BA 442, Bl. 218r-219v
ID
47884