Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an den Prorektor der Universität Jena, Prof. Dr. Wilhelm Hedemann, Jena, 31. Mai 1919

An Seine Magnifizenz Herrn

Professor Dr. jur. Wilhelm Hedemann

d. Z. Prorector der Universität Jena

Mitteilung von Prof. Dr. Ernst Haeckel betreffend das neue Genetische Museum in Villa Medusa.

Jena, 31. Mai 1919.

Magnifice Academiae Prorector!

Am 1. August 1918 ist die hiesige Villa Medusa, (Berggasse 7), das 1883 von mir erbaute Wohnhaus nebst zugehörigem Garten, in den Besitz der hiesigen „Carl-Zeiss-Stiftung“ durch Kaufvertrag übergegangen. Letztere hat das Haus der Universität Jena geschenkt, mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass darin ein neues „Genetisches Museum“ eingerichtet wird. Dieses soll aufnehmen (– unabhängig von dem 1908 von mir gestifteten „Phyletischen Museum“ –):

I. Das „Haeckel-Archiv“, welches seit 3 Jahren in 2 Räumen (parterre) der Universitäts-Bibliothek untergebracht ist – (vgl. das amtliche Verzeichnis der Behörden etc. vom Winter-Halbjahr 1916-1917, Nr. 181, S. 22).

II. Die inhaltreichen literarischen und Kunstsammlungen (Bilder, Büsten u.s.w.) welche ich im Laufe meiner hiesigen akademischen Tätigkeit seit Ostern 1861 und auf zahlreichen Reisen gesammelt habe.

III. Meine privat-Bibliothek (hauptsächlich naturphilosophischen Inhalts, soweit diese nicht bereits früher (im Mai 1884) an das Zoologische Institut geschenkt worden ist. ||

Der illustre Senat hat diese Schenkung (– wie ich privatim erfahren habe –) im Dezember 1918 angenommen. Jedoch ist mir darüber bisher keinerlei schriftliche und offizielle Mitteilung zugekommen, die ich zu den Akten des Museums nehmen könnte. Ich ersuche daher Eure Magnifizenz ergebenst, mir wenn möglich bald einen Auszug aus den betreffenden Akten mitteilen zu wollen, insbesondere auch über die wichtige Frage, ob die Universität gewillt ist, für die Erhaltung des Museums als ihres Eigentums, Sorge zu tragen und dasselbe im „Amtlichen Verzeichnis“ als selbstständige Anstalt („Genetisches Museum“ oder „Haeckel-Museum“) aufzuführen. Herr Geheimer Justizrat Professor Dr. jur. Eduard Rosenthal, der als ständiges Mitglied des dafür eingesetzten Museums-Kuratoriums über dessen Verhältnisse genau Bescheid weiss, wird erforderlichen Falles gern bereit sein, noch nähere Auskunft zu erteilen.

Mit der Versicherung vorzüglichsten Hochachtung

Ew. Magnifizenz ergebenster

Ernst Haeckel

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
31-05-1919
Entstehungsort
Zielort
Jena
Besitzende Institution
Universitätsarchiv Jena
Signatur
UAJ, BA 1585, 143r-143v
ID
47787