Liebmann, Otto

Missiv des Dekans der philosophischen Fakultät, Otto Liebmann, Jena, 27. Februar 1899

Philosophische Fakultät.

Jena, den 27t Februar 1899

Senior venerande!

Assessores gravissimi!

Beifolgenden Entwurf zu dem Bericht über die Habilitationsangelegenheit des Herrn Dr. Leonhard Schultze erlaube ich mir Ihnen vorzulegen.

Hochachtungsvoll

Dr. O. Liebmann

d. Z. Dekan.

Einverstanden.

Haeckel

Winkelmann

Delbrück

Hirzel

Cloetta

Eucken

Linck

Knorr

Stahl

V. Michels

Thomae

Goetz

Pierstorff

Gelzer

Settegast

Vollers

Lorenz ||

Decane maxime spectabilis!

In dem Bericht der philosophischen Facultät über das Habilitations-Gesuch des Herrn Dr. Leo Schultze dürfte hervorzuheben sein:

I. bezüglich der Habilitations-Schrift die umfassende und den weitschichtigen Stoff völlig beherrschende Darstellung der Frage von der Regeneration und Knospung sowie ihrem Verhältniß zur Keimblätter-Theorie; die klare Definition, scharfe logische Begriffs-Bestimmung und selbstständige Kritik; –

II. bezüglich des Colloquiums das sichere und klare Urtheil, die gründliche Sachkenntniß, gewandte Darstellung und offenbares Lehrtalent. Im Übrigen enthält mein Referat und mein Urtheil über das Colloquium die nähere Begründung.

Hochachtungsvoll

Haeckel

Jena, 21. 2. 1899. ||

Magnifice Ac. Pror.!

Herr Dr. Leonhard Schultze, Assistent am zoologischen Institut hierselbst, wünscht sich an unserer Universität als Privatdozent für das Fach der Zoologie zu habilitiren. Geboren am 28t Mai 1872 in Jena besuchte derselbe das hiesige Gymnasium Karolo-Alexandrinum, wurde 1891 mit dem Zeugniß der Reife entlassen, studirte an den Universitäten Lausanne, Jena, Kiel und wiederum Jena Medicin und Naturwissenschaften, bestand hierauf an unserer Fakultät am 29t Februar 1896 mit Zoologie als Hauptfach summa cum laude die Doctorprüfung; machte sodann wissenschaftliche Studienreisen nach Dänemark und England, arbeitete an der zoologischen Station in Neapel sowie am physiologischen Institut der Universität Berlin und erhielt 1898 die Assistentenstelle am zoologischen Institut der hiesigen Universität. Seine bei uns eingereichte Habilitationsschrift „Das Verhältniss der Regeneration und Knospung zur Lehre von der Homologie der Keimblätter“, welche einen weitschichtigen Stoff mit scharfer logischer Begriffsbestimmung und selbstständiger Kritik betrachtet, wird vom Referenten wie vom Correferenten als werthvolle und verdienstvolle Leistung anerkannt. Das Colloquium, welches am 18t Februar dieses Jahres vor versammelter Facultät stattfand, bezog sich der Hauptsache nach auf die Theorien der Vererbung in ihrem Verhältniß zu den verschiedenen Formen des Generationswechsels, sodann auf die Regenerationserscheinungen bei verletzten Pflanzen. Hierbei trat neben gründlicher Stoffkenntniß Klarheit des Urtheils, Gewandtheit der Darstellung und offenbares Lehrtalent entschieden zu Tage; so daß die Facultät Herrn Dr. Leonhard Schultze für einen zum akademischen Lehrberuf in hohem Grade geeigneten Mann erklären darf.

Da außerdem der Nachweis ausreichender Mittel zu einem standesgemäßen Leben vorliegt, so stellt die unterzeichnete Facultät den Antrag, der illustre Senat wolle der Zulassung des Herrn Dr. Schultze zu den weiteren Habilitationsleistungen bei den hohen Regierungen entschieden befürworten.

Hochachtungsvoll

Jena, d. 27. Febr. 1899

Die philos. Facultät

Dr. O. L.

d. Z. Dekan.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
27-02-1899
Entstehungsort
Zielort
Jena
Besitzende Institution
Universitätsarchiv Jena
Signatur
UAJ, M 649, 56r-58r
ID
47719