Snell, Karl

Karl Snell (Dekan) an die philosophische Fakultät der Universität Jena, Jena, 29. Mai 1876

Assessores gravissimi.

Aus dem anliegenden Brief des Herrn Prof. von Treitschke, welcher gestern Nachmittag eingetroffen ist, werden Sie ersehen, daß die Redaction der preußischen Jahrbücher die Aufnahme unserer Erklärung verweigert. Abgesehen von allem Weiteren, was etwa zu thun sein möchte, schlage ich vor, die Erklärung schleunigst zu drucken, und als Beiblatt unserer Literaturzeitung anzuschließen.

Zugleich beehre ich mich die Eingabe des Hr. Coll. Stickel, die Alterspromotion des Herrn Bibliothekssecretär Martin betreffend, vorzulegen, damit auf diejenigen Herrn Collegen, welche dem Conseß am 31tn Mai nicht beigewohnt haben, sich darüber auszusprechen und resp. dem einstimmigen Beschluß des Consesses beizutreten Gelegenheit haben.

Hochachtungsvoll

Snell

d. Z. Decan ||

Decane Maxime Spectabilis,

Zu No. 1 ganz beistimmend, mit dem Wunsche, daß eine hinlängliche Anzahl von Exemplaren gedruckt wird, um jedem Facultisten einige zukommen zu lassen und unserer Erklärung die weiteste Verbreitung zu geben. Auch würde wohl dem Abdruck die Notiz beizufügen seyn, daß die Aufnahme in den Preussischen Jahrbüchern verweigert worden.

Ad. 2 pr. | Stickel

Zu No. 1. Wie der Herr College Stickel, jedoch mit Hinzufügung des Vorschlags, daß nicht nur die Ablehnung der Aufnahme unserer Erklärung in die preußischen Jahrbücher, sondern auch der Wortlaut der Ablehnung veröffentlicht werde u. zwar sofort!

Zu No. 2. Ich bleibe bei der bereits mündlich im letzten Consess abgegebenen Erklärung, u. erhebe keinen Widerspruch gegen die beiden bei Gelegenheit dieses Consesses von mehreren Seiten gewünschten u. empfohlenen Promotionen. Da aber die Berufung auf beide Fälle als Präcedentien nicht ausbleiben wird, so erkläre ich, daß ich bei dem ferneren Falle eines unvorbereiteten, zu sofortiger mündlicher oder schriftlicher Abstimmung vorgelegten Antrags auf Ehren- oder Alters-Promotion die Zustimmung nicht für eine collegiale Pflicht oder Rücksicht halte. Ich ersuche Ew. Spectabilität, diese Erklärung auch Herrn Coll. Stickel zur Kenntnißnahme vorlegen zu lassen. | E. E. Schmid

N. 1 und 2 vollständig zustimmend. | R. Eucken

Zu 1 u. 2 zustimmend; nur ist ad 1 auf keinen Fall der Wortlaut der Ablehnung zu veröffentlichen; dagegen würde ich protestiren. | A. Schmidt

N. 1 wie Herr College Stickel. N. 2 ebenfalls zustimmend, obwohl für Ultro-Promotionen kein einstimmiger Beschluß der Facultät nothwendig ist. | Hildebrand

Zu Nr. 1 und 2 zustimmend.

Außerdem möchte ich vorschlagen, Herrn Professor Treitschke eine kurze, die thatsächlichen Unwahrheiten des Mommsenschen Aufsatzes a rein sachlich widerlegende Erklärung zuzuschicken, welche er nach dem Reichsstrafgesetzbuch aufzunehmen verpflichtet ist. Ich bemerke noch, daß der Verleger der Preußischen Jahrbücher, Herr Georg Reimer, sich mir gegenüber bestimmt verpflichtet hatte, die Aufnahme unserer Erklärung in dieselben durchzusetzen. | Haeckel

Wie Hr. College Stickel 1/6 76 | A. Geuther

Ad 1 u. 2. Wie Herr College Stickel, obgleich ich nicht einsehe, was dem Abdruck der Ablehnung nach ihrem Wortlaut entgegenstünde. | Moriz Schmidt, Dr.

Wie Herr College Stickel. | E. Strasburger

Wie Herr College Stickel. | Fortlage | Delbrück

Beschluß: 1) die Erklärung als Beiblatt der Literaturzeitung zu drucken mit der Bemerkung, daß die Redaction der preußischen Jahrbücher die Aufnahme verweigert hat.

2) Die Promotion des Hr. Secretär Martin zu vollziehen. ||

Dem Wunsche des Hrn. Coll. E. Schmid entsprechend lege ich den beiliegenden Brief desselben der Facultät zur Kenntnißnahme vor.

Snell

d. Z. Decan

den 9tn Juni | 1876.

Für Mittheilung dankend. Daß dem Abdrucke in unserer Literatur Zeitung eine Bemerkung darüber, daß die Aufnahme unserer Entgegnung in den Preussischen Jahrbüchern verweigert worden, nicht beigefügt sei, ist wohl nur ein Mißverständniß; der Facultätsbeschluß war evident. Jedenfalls würde das Unterlassene noch zu ergänzen seyn. | Stickel

Gesehen. | E. E. Schmid

Für Mittheilung dankend. Der Beschluß ad 1, die Aufnahmeverweigerung betreffend, muss natürlich ausgeführt werden, u. schleunigst, auch eine Anmerkung zu der Überschrift „Erklärung“. Gegen die Mittheilung des Wortlautes der Weigerung bin ich deshalb, weil sicher dadurch eine geharnischte Polemik hervorgerufen würde, gegen die unsere Facultät machtlos sein würde, weil ja in ihrem Namen zu antworten Niemand verpflichtet u. – wie die Erfahrung zeigt – Niemand bereit ist. Hoffentlich wird aber Hr. College Moritz Schmidt sein in der Facultät abgegebenes Versprechen erfüllen u. die Correctur des Druckes ohne Weiteres an sich nehmen, da wir sonst sogar noch einen völlig incorrecten Abdruck gewärtigen müssen, weilb sich eben Niemand der Sache wie einer persönlichen annimmt. Das Votum des Hrn Collegen Häckel sagt mir sehr zu. Wer aber würde diese Mühewaltung zu übernehmen bereit sein? Gewiß wiederum Niemand. Das Geeignetste wäre daher vielleicht, wenn der Herr Decan, mit derc Übersendung eines Abdrucks an die Redaction der Preußischen Jahrbücher, die ja nothwendig erfolgen muß, die Aufforderung verbinden wollte, diejenigen Ausführungen der „Erklärung“ d in das nächste Heft aufzunehmen, zu deren Aufnahme sich das Treitschke’sche Schreiben bereit erklärt hat. | Ad. Schmidt ||

Für Mittheilung dankend | A. Geuther | Haeckel | E. Strasburger | Moriz Schmidt, wird die Correctur besorgen. | Fortlage | Hildebrand | Delbrück

a gestr.: widerlegende; b gestr.: da; eingef.: weil; c gestr.: bei; eingef.: mit der; d gestr.: auf

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
29-05-1876
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
UAJ
Signatur
UAJ, M 451, Bl. 34r-36r
ID
47405