Haeckel, Ernst

Missiv des Prodekans der philosophischen Fakultät, Ernst Haeckel, Jena, 21. Februar 1874

Senior venerande!

Assessores gravissimi!

Herr stud. phil. Hermann Steuding, welcher 4 Jahre hierselbst studirt hat, bewirbt sich um die Promotion in praesentia. Die vorgeschriebenen Bedingungen sind sämmtlich erfüllt. Die vorgelegte Abhandlung Quaestiones Tibullianae ersuche ich Herrn Collegen Bursian gefälligst zu beurtheilen.

Hochachtungsvoll

Jena, den 21. Februar 1874

Haeckel

der Zeit Prodecan

Beschluß: Zulassung

Hkl. 23/2 74 ||

Decane maxime spectabilis!

Die Arbeit des Herrn Steuding, welcher mir und meinen Fachkollegen seit Jahren als strebsamer und tüchtiger junger Mann bekannt ist, behandelt zunächst die Frage, welche Gedichte des vierten Buches von Tibullus wirklich von diesem Dichter herrühren, welche nicht, und untersucht dann in eingehender Weise die ursprüngliche Anordnung der unter Tibulls Namen überlieferten Gedichte, speciell die Gestalt der Urhandschrift, aus welcher die uns erhaltenen jüngeren Handschriften abgeleitet sind. Wenn auch die vom Verfasser über diesen Punkt angestellte, durch eine Tabelle am Schluss seiner Abhandlung erläuterte Hypothese gar manchem Bedenken Raum gibt, auch der Stil der Abhandlung manches zu wünschen übrig lässt, so zeugt doch die ganze Arbeit von eingehendem und verständigem Studium der Gedichte des Tibullis und überhaupt der Fähigkeit des Verfassers zu methodischer Behandlung philologischer Probleme und kann daher als genügendes specimen eruditionis für die Zulassung zur mündlichen Prüfung bezeichnet werden.

Jena 23 Febr. 1874.

Prof. Dr. C. Bursian

Hiernach für ZulassungSnell

EbensoStickel

- Nipperdey

- E. E. Schmid

- E. Strasburger

- A. Geuther

- Hildebrand

- Moriz Schmidt

- Delbrück

- Fortlage

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
21-02-1874
Entstehungsort
Zielort
Jena
Besitzende Institution
Universitätsarchiv Jena
Signatur
UAJ, M 437, 63r-63v
ID
47348