Rothe, Karl

Karl Rothe (Staatsminister) an Ernst Haeckel, Weimar, 2. Januar 1909

GROSSHERZOGL. SÄCHS. STAATSMINISTERIUM,

DEPARTEMENT DES KULTUS.

WEIMAR, DEN 2. Januar 1909.

Hierzu:

1 Abschrift.

Der Professor Dr. Plate in Berlin, welchen als Eurer Exzellenz Nachfolger zu berufen die Großherzoglich und Herzoglich Sächsische Gesamtuniversität Jena aufgefordert worden ist, hat in einem unter dem 17. vorigen Monats an Seine Exzellenz den Universitätskurator gerichteten Schreiben einige Punkte als solche hervorgehoben, deren Regelung er bei Annahme der Berufung voraussetzen zu müssen glaube.

Wir nehmen an, daß Professor Plate über diese Punkte bereits vorher mit Eurer Exzellenz in Verhandlung getreten ist und daß Eure Exzellenz die Erfüllung der Wünsche des Professors Plate als tunlich ansehen.

Um hierbei jedoch sicher zu gehen, übersenden wir Eurer Exzellenz Abschrift des Schreibens des Professors Dr. Plate mit dem Ersuchen, sich darüber des Näheren äußern zu wollen.

Rothe

Seiner Exzellenz | dem Wirklichen Geheimen Rat Herrn

Professor Dr. Haeckel

Jena. ||

[Beilage: Ludwig Plate an Heinrich von Eggeling, Berlin, 17. Dezember 1908]

Berlin, Beethovenstr. 1 III, den 17/12. 08

Ew. Exzellenz

teile ich ganz ergebenst mit, daß ich heute meine Entlassung aus meiner hiesigen Stellung zum 1. April 1909 erbeten habe und die an mich ergangene Berufung zum Ordinarius der Zoologie und zum Leiter des zoologischen Instituts und des phyletischen Museums mit bestem Dank annehme, unter der Voraussetzung, daß

1) das Gehalt, wie mündlich vereinbart wurde, 2500 M jährlich beträgt und zweimal um je 400 M nach je vier Jahren bis zum Höchstbetrag von 6000 M steigt, und daß

2) das Gehalt lebenslänglich ist und bei Invalidität resp. Pensionierung unverkürzt bis zum Tode weiterläuft.

Was die Leitung des phyletischen Museums anbetrifft, so werde ich mich selbstverständlich ganz nach den Wünschen meines verehrten Amtsvorgängers richten und auch die von ihm beantragte und von den hohen Regierungen genehmigte Verwendung der Erträgnisse der Ritterstiftung anerkennen. Jedoch habe ich mit seiner Exzellenz dem wirklichen Geheimen Rat Haeckel vereinbart, daß jährlich mindestens 3600 M aus der Stiftung zu meiner freien Verfügung für die Interessen des zoologischen Instituts und zur Förderung meiner eigenen wissenschaftlichen Arbeiten reserviert bleiben müssen, weil es mir sonst unmöglich ist, die Bibliothek und den wissenschaftlichen Betrieb des Instituts auf der Höhe zu halten.

Auch möchte ich von vornherein betonen, daß im Laufe der Zeit das phyletischesMuseum finanziell unabhängig gemacht werden muß von der Ritterstiftung, damit deren Zinsen im Sinne des Stifters zur Förderung wissenschaftlicher Arbeiten und zum Ausbau der Entwickelungslehre benutzt werden können und zwar, wie die Stiftungsurkunde ausdrücklich besagt, nach freiem Ermessen des jeweiligen Ordinarius. Sollte zum Beispiel Professor Philippi von Jena fort berufen werden, so würde ich sofort beantragen, diese Professur eingehen zu lassen, da die Pflege der allgemeinen Geologie in keinem Zusammenhang mit der Entwickelungslehre steht; und sollte Professor Ziegler einen Ruf nach auswärts erhalten, so würde ich beantragen, das Gehalt des Ritterprofessors auf 1500 M festzusetzen. Indem ich also die zur Zeit vorgesehene Verwendung jener Stiftung anerkenne und auch bei Lebzeiten meines verehrten Amtsvorgängers nur im Einverständnis mit diesem neue Anträge stellen werde, möchte ich mir die Freiheit vorbehalten, die Ritterstiftung später auch in anderer Weise zu verwenden als es jetzt festgesetzt ist.

Zur Unterstützung bei meinen eigenen wissenschaftlichen Arbeiten habe ich eine Hilfskraft nötig und müßten daher, solange ein zweiter Assistent dem zoologischen Institute noch fehlt, 600 M für diese in Rechnung gestellt werden aus den 3600 M, welche dem Institut aus der Ritterstiftung zu reservieren sind.

Hinsichtlich der Umzugskosten bin ich mit dem von Ew. Exzellenz in dem Schreiben vom 10. Dezember gemachten Vorschlag einverstanden.

Es wird mein aufrichtiges Bemühen sein, die Interessen der Universität Jena, der ich selbst meine erste Ausbildung und meiner Promotion zum Doktor philosophiae verdanke, nach besten Kräften und pflichtgetreu zu fördern und die Vorlesungen und wissenschaftlichen Arbeiten im zoologischen Institute ganz im Sinne meines verehrten Lehrers und Amtsvorgängers Ernst Haeckel fortzusetzen, damit der hohe Ruf Jenas als einer Pflanzstätte echter biologischer Forschung auch in Zukunft sich erhalte.

Indem ich bitte, mir in dem Anstellungspatent oder in einem besonderen Schreiben Ihr Einverständnis mit dem im Vorstehenden angedeuteten Grundsätzen auszudrücken

Ew. Exzellenz ehrerbietigster und ergebenster

gez. Ludwig Plate.

An

den wirklichen Geheimen Rat und Kurator der Universität Jena

Dr. von Eggeling, Exzellenz.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
02-01-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46864
ID
46864