Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 1. Mai 1906

Lieber Freund Bölsche!

Wenn es Dir irgend möglich ist, bitte ich Dich und unseren Freund Wille, zu der ersten Ausschuß-Sitzung unseres Monisten-Bundes am 9. Mai hier zu sein. Es sind die wichtigsten Fragen zu beantworten, namentlich Praesidium, Schriften-Verlag, Organisation etc. Mit dem „Freidenker-Bund“ und anderen freien „Bünden“ wünschen wir selbstverständlich in bestem Einvernehmen Schulter an Schulter zu kämpfen (– nicht als Concurrenten oder gar Gegner! –).

Mit besten Grüssen in Eile

Dein getreuer E. Haeckel.a

P.S. Mir geht es endlich besser; ich habe am 1. Mai die Vorlesungen wieder begonnen.

[maschinenschriftlich:]

Jena 1. Mai 1906.

Hochgeehrter Herr!

Zahlreiche Zuschriften von Mitgliedern des „Deutschen Monistenbundes“ welche in letzter Zeit mir zugegangen sind, veranlassen mich, an Sie die dringende Bitte zu richten, der ersten Ausschuss-Sitzung unseres Bundes, die auf den 9. Mai Vormittag 9 Uhr in Jena (im Hôtel „Zum Bären“) anberaumt ist, beizuwohnen. Ausdrücklich sei noch darauf hingewiesen, dass diese Sitzung von entscheidender Bedeutung für uns sein wird, und dass alle Mitglieder des Bundes – nicht bloss die Ausschuss-Mitglieder – berechtigt sind, an den Beratungen des Ausschusses teilzunehmen.

Die 6 Punkte der Tages-Ordnung unserer ersten Ausschuss-Sitzung, sowie der Entwurf ihrer Geschäfts-Ordnung sind Ihnen bereits durch den General-Sekretär, Herrn Dr. Heinrich Schmidt (Moltke-Str. 1, Jena) mitgeteilt. Leider ist unser activer Präsident, Dr. Kalthoff, durch andauernde Krankheit verhindert, zur Sitzung am 9. Mai hier zu erscheinen und sich activ an den Geschäften zu beteiligen. Es ist daher dringend notwendig, zunächst die definitive Wahl des Vorstandes und des stellvertretenden Präsidenten vorzunehmen.

Es würde sehr erwünscht sein, wenn schon vor der Ausschuss-Sitzung bezügliche Vorschläge an Herrn Dr. Schmidt gerichtet würden – ebenso bezüglich der „Zuwahlen zum Ausschuss“. ||

Ebenso dringend zu erledigen ist die Uebergabe der Kassengeschäfte an ein Bankhaus, sowie die Frage der ständigen Besoldung des General-Sekretärs; – ferner die Wahl des Verlages und Vertriebes unserer Flugschriften, mit deren Druck möglichst bald begonnen werden soll. Nur durch baldiges Eintreten in energische Action, durch Verteilung von Druckschriften an die Bundes-Mitglieder und durch öffentliche Vorträge kann das lebhafte Interesse am Bunde aufrecht erhalten werden.

Es kann nur erwünscht sein, wenn bestimmte Vorschläge bezüglich dieser oder anderer Aufgaben der Ausschuss-Sitzung noch in den nächsten Tagen schriftlich an uns gelangen, um sie der Tagesordnung einzufügen. Ebenso werden auch Vorschläge für die „Richtlinien unserer künftigen Tätigkeit und Verbesserungen unserer „Thesen“ dankbar entgegengenommen. Sowohl die „Thesen“ zur Organisation des Monistenbundes“, die ich im September 1904 im Frankfurter „Freien Wort“ veröffentlicht habe, als auch die „Thesen des Monistenbundes“, die Herr Dr. Schmidt im Februar d. J. formuliert und mit den „Satzungen“ versandt hat, bedürfen vielfach einer schärferen Formulierung und Verbesserung.

Hochachtungsvoll

Ernst Haeckel.

a Text weiter am linken Rand von S. 1: Es wird … E. Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
01-05-1906
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.125
ID
42254