Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 20. Januar 1898

Jena 20. Jan. 1898.

Lieber Herr Bölsche!

Für Ihre freundlichen Neujahrs-Wünsche (– die ich von Herzen erwidere –) danke ich Ihnen bestens, und nicht minder für Ihr fortdauerndes warmes Interesse an meiner Nat. Schöpf.

Ich habe mehrere traurige Monate durchlebt. Im Novb. v. J. starben kurz nach einander mein einziger geliebter Bruder, mein Schwager Reimer (der Verleger) und ein Neffe. Dann wurde meine Frau sehr krank; jetzt geht es wieder besser. ||

Zur Zerstreuung und Auffrischung habe ich jetzt eine rein ästhetische Arbeit begonnen. Ich gebe bei meinem Schwiegersohn (Bibl. Inst. Leipzig) eine Anzahl Tafeln heraus (Format 20 : 28 Bildfläche), welche die schönen Formen der niederen Organismen dem Laien näher bringen sollen. Ich hoffe in den Oster-Ferien nach Berlin zu kommen und werde Ihnen dann sicher den längst geplanten Besuch abstatten. ||

Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin Alles Gute wünschend, mit besten Grüßen

Ihr treu ergebener

Ernst Haeckel.

P. S. Mit größtem Genusse las ich in diesen Tagen das Buch von Saladin: Jehova´s Sämtliche Werke (Zürich, Schaumburg). Sie kennen es wohl schon? Sonst versäumen Sie nicht, diese vernichtende Bibel-Kritik zu lesen.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-01-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.43
ID
42168