Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen, Jena, 29. Dezember 1908

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena 29.12.1908.

Durchlauchtigster Herr Herzog!

Zu dem bevorstehenden Jahreswechsel gestatte ich mir, Ew. Hoheit und Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin meine ehrerbietigsten und aufrichtigsten Glückwünsche zu senden.

Über den erfreulichen Verlauf der Festlichkeiten, die hier am 30. Juli − 1. August zur 350jährigen Jubelfeier unserer Alma mater stattfanden, werden Sie durch die Mitteilungen Ihrer beiden Herren Söhne unterrichtet sein, die wir als Ehrengäste unter uns zu sehen die Freude hatten. ||

Das Gebäude des neuen „Phyletischen Museums“, welches ich bei dieser Gelegenheit der Universität Jena als Geschenk übergeben konnte, war äußerlich gerade fertig geworden; jetzt beginnt nun die innere Einrichtung, für welche die disponiblen Mittel zur Zeit nicht in wünschenswerter Höhe vorhanden sind. Ich hoffe indessen, daß ein bezügliches Gesuch in Weimar (von Exzellenz Eggeling befürwortet) uns eine einmalige außerordentliche Bewilligung von etwa 30.000 Mk gewähren wird. In der Porträt-Gallerie des Museums (für die bereits viele wertvolle Geschenke eingegangen sind) sollen nicht nur die Bildnisse der hervorragendsten Naturforscher, sondern || auch der verdienstvollsten „Förderer des Phyletischen Museums“ (deren Namen bereits auf der Ehrentafel in dessen Vorhalle verewigt sind) vereinigt werden. Da Ew. Hoheit unter diesen Gönnern in erster Linie stehen, würde es mir zur besonderen Freude gereichen, wenn Sie selbst uns dafür ein gutes größeres Porträt stiften wollten. Vielleicht hat Seine Hoheit Prinz Ernst, der Sie schon wiederholt so vorzüglich porträtirt hat, die Güte, uns dafür ein Bild zu malen, oder einen der vorhandenen Entwürfe zu verehren. Es wäre herrlich, wenn gerade in diesem „Ersten Museum für Entwickelungslehre“ Herzog Georg II. von S. M. als Protector der Kunst und Wissenschaft in Effigie verewigt werden könnte. ||

Zur Zeit bin ich durch eine Verletzung des Kniegelenks, die ich mir am 11.12. durch einen unglücklichen Fall zuzog, zu mehrwöchentlicher Bettruhe verurteilt. Ein großer Trost ist mir in dieser erzwungenen Untätigkeit, daß ich in Professor Plate für Ostern 1909 den geeignetsten Nachfolger in meinem Lehramte gefunden habe. – Der völlige Verlust des Gehörs, den unser hochverdienter Herr Kurator, Exzellenz von Eggeling, vor 10 Tagen erlitten hat, scheint leider, wie ich eben höre, dauernd zu sein. – Meine Frau, deren Befinden jetzt leidlich ist, sendet Ihnen und Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin zugleich mit mir die ehrerbietigsten Grüße und besten Glückwünsche für 1909.

Ew. Hoheit dankbar ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
29-12-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 1336
ID
40073