Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen, Jena, 21. November 1898

ZOOLOGISCHES INSTITUT

DER UNIVERSITÄT JENA.

Jena, den 21. Novb. 1898.

Durchlauchtigster Herr Herzog!

Beifolgend beehre ich mich, Ew. Hoheit den Vortrag zu übersenden, welchen ich am 26. August d. J. auf dem internationalen Zoologen-Congress in Cambridge „über unsere gegenwärtige Kenntniss vom Ursprung des Menschen“ gehalten habe. Der Congress war interessant und stark besucht, von mehr als 400 Naturforschern aus allen Culturländern. In den Discussionen über jene „Frage aller Fragen“ und die damit zusammenhängenden wichtigen Probleme zeigte sich in Bezug auf die allgemeinen Principien die erfreulichste Übereinstimmung. ||

Mit Vergnügen habe ich durch Herrn Geh. Staatsrath Eggeling erfahren, daß Ew. Hoheit und Ihre hochverehrte Frau Gemahlin sich wohl befinden, und daß die bedauerlichen Unfälle und Unannehmlichkeiten, welchen Sie auf Ihren Reisen in diesem Jahre ausgesetzt waren, keinerlei bleibende Nachtheile hinterlassen haben. Nachträglich erlaube ich mir auch noch meinen herzlichen Glückwunsch zu der Errettung aus ernstlicher Lebensgefahr auszusprechen, von welcher Sie jüngst durch Sturz aus dem umgeworfenen Wagen bei Liebenstein bedroht waren. ||

Ich hatte bestimmt gehofft, Ew. Hoheit noch vor Jahresschluß das erste Heft meiner „Kunstformen der Natur“ verehren zu können, an welchen Sie mir so gütiges Interesse zeigten. Leider hat sich aber die Publication sehr verzögert, zum Theil weil mein Schwiegersohn Dr. Hans Meyer (– der jetzige Chef des Bibliograph. Instituts –) erst vor kurzem von seiner (glücklich verlaufenen) vierten Forschungsreise zum Kilimandscharo zurückgekehrt ist. Gezeichnet habe ich bereits 40 Tafeln; aber lithographirt sind erst 12 fertig; die Ausführung der Lithographie stößt auf mancherlei Schwierigkeiten. ||

Nach der Rückkehr von England nöthigte mich ein Anfall meines alten Gelenk-Rheumatismus, im September noch auf drei Wochen nach Baden-Baden zu gehen. Zu einer weiteren Erholungsreise bin ich in diesem Jahr nicht gekommen. Meine Frau hatte leider viel mit Kränklichkeit zu kämpfen.

Mit ehrerbietigsten Grüßen von mir und von meiner Frau an Sie und an Ihre hochverehrte Frau Gemahlin bleibe ich

in aufrichtigster Verehrung

Ihr ganz ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
21-11-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 1331
ID
40061