Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 2. August 1907

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena 2.8.1907.

Hochverehrte gnädige Frau!

Durch Ihre freundliche Postkarte mit Porträt, sowie durch die gütige Zusendung des reizenden, aus Südfrankreich mitgebrachten Filet-Deckchens haben Sie mich und meine Frau sehr erfreut, und wir sagen Ihnen unseren herzlichsten Dank! An demselben Tage, an dem Ihr Geschenk eintraf, hatte ich Ihrer und Ihres Hohen Herrn Gemahls auf der „Ammerbacher Platte“ gedacht, meinem „Meininger Grossgrundbesitz“ in Lichtenhainer Flur und des schönen Nachmittags, an dem ich Ihnen diesen herrlichen Aussichtspunkt zu zeigen die Ehre hatte. ||

Zu meinem großen Bedauern erfuhr ich, daß sowohl Sie, Gnädigste Frau, als auch Seine Hoheit der Herr Herzog, seit langer Zeit mit Ihrer Gesundheit unzufrieden sind und auch jetzt noch zu leiden haben. Hoffentlich bringt Ihnen die beabsichtigte Bade-Kur vollständige Genesung. Endlich wird ja wohl auch jetzt, im August, das verspätete Sommerwetter kommen, das wir auch hier bisher schmerzlich vermißt haben. Abgesehen von wenigen, plötzlich vorübergehenden heißen Tagen, war der ganz Juli hier im Saaltal abscheulich naß und kalt, ebenso wie der größte Teil des Juni. ||

Meine Zeit und Arbeitskraft wird jetzt größtenteils durch den Bau des Phylogenetischen Museums in Anspruch genommen und durch die Pläne seiner inneren Ausstattung welche Viel zu bedenken geben. Ich werde wohl erst im September zu der beabsichtigten Ferienreise in das Oberbayrische Gebirge gelangen.

Seiner Hoheit dem Herrn Herzog bitte ich für Sein gütiges Schreiben meinen besten Dank auszusprechen. Mit freundlichsten Empfehlungen von meiner Frau und von mir an Sie und an Ihren Herrn Gemahl bleibe ich in aufrichtiger Verehrung

Ihr dankbar ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
02-08-1907
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
40045