Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 20. Juli 1899

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena, den 20.7.1899.

Hochverehrte Gnädige Frau!

Aus Ihrem gütigen Schreiben erfuhr ich zu meinem aufrichtigen Bedauern, daß das heftige katarrhalische Leiden Ihres Durchlauchtigsten Herrn Gemahls sich noch hartnäckig erhält. Es versteht sich von selbst, daß ich meinen Besuch in Altenstein, zu dem Sie mich so liebenswürdig eingeladen haben, nur dann ausführen werde, wenn Seine Hoheit der Herzog wieder ganz hergestellt ist, und wenn überhaupt die dortigen Verhältnisse dadurch in keiner Weise gestört werden. ||

Die Vollendung meines Buches („Studien über Monistische Philosophie“), welches Ihnen im September zugesandt werden wird, hat sich bei der Schwierigkeit der Aufgabe etwas verzögert; ich werde erst Anfang August mit dem Drucke fertig. Am 4. August schließe ich meine Vorlesungen. Dann habe ich noch einige Tage zu packen und denke in der zweiten August-Woche meine Reise nach der Schweiz und Italien anzutreten. Vielleicht (– d. h. wenn es Ihnen paßt! –) könnte ich dann meinen Besuch in Altenstein abstatten und von dort gleich weiter nach dem Süden reisen. ||

Wenn Ihnen jedoch die drei früher erwähnten Tage 29.−31. Juli besser passen, bin ich selbstverständlich bereit, auch dann Ihrem Wunsche Folge zu leisten.

Ich antworte Ihnen erst heute, weil meine Frau und Tochter längere Zeit sehr nervenleidend waren und meine Reise selbst dadurch in Frage gestellt war. Jetzt wo es wieder besser geht, hoffe ich sicher etwa am 8. oder 10. August abreisen zu können.

Meine Frau und Tochter erwidern ihre freundlichen Grüße mit herzlichen Danke! ||

In der Hoffnung, daß Seine Hoheit der Herr Herzog wieder ganz hergestellt ist, und mit der Bitte Hochdemselben meine ehrerbietigsten Grüße zu bestellen, bleibe ich

in aufrichtiger Verehrung

Ihr ganz ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
20-07-1899
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
39940