Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 2. Dezember 1886

Jena 2 Decb 86

Liebste Mutter!

Es freut mich durch Carl zu hören, daß es Dir leidlich geht und Du bis jetzt nicht zu sehr von dem Winter leidest. Hier war der November im Ganzen sehr milde, meist ohne Frost. Seit gestern ist es kälter.

Bei uns geht es wieder gut. Agnes hat sich vollständig erholt. Wir haben bis jetzt sehr still gelebt und sind vor ein paar Tagen zum ersten Male in Gesellschaft gegangena. Zweimal waren wir im Theater (in kleinen Lustspielen); es ist dies Jahr leidlich. ||

Ich stecke immer noch in den Schluß-Arbeiten zu den Challenger-Radiolarien, die sich recht lange hinziehen (Register und Tabellen). Doch werde ich in diesem Monat sicher fertig. Nach Neujahr hoffe ich Dich auf ein paar Tage zu besuchen. b

– Heute hat mich der Groß Herzog mit einem huldvollen Handschreiben beehrt, zum Dank für das ihm zu Ehren benannte Radiolar. Ich war kürzlich einen Abend mit ihm beim Curator, sehr heiter und animirt.

– Mit herzlichsten Grüßen, auch an Tante Bertha, Dein

treuer Ernst.

a korr. aus: gegeben; b gestr.: Heu

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
02-12-1886
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Potsdam
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38963
ID
38963