Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 10. Oktober 1885

Jena 10 Oct 85

Liebste Mutter!

Heute sind es schon 14 Tage, daß ich Dich verließ. Mir ist aber die Zeit sehr rasch vergangen (– trotz des schauderhaften Wetters –), da ich ununterbrochen an den Radiolarien gearbeitet und eines der schwierigsten Capitel glücklich beendigt habe. Hoffentlich werde ich diesen Winter fertig. 110 Bogen sind schon gedruckt! ||

Walter war diese 14 Tage hier; er kam mit mir an und geht morgen nach Gera zurück. Der Junge entwickelt sich jetzt wesentlich besser; er brachte eine recht gute Censur mit; ebenso auch Klein Emmchen, die sich jetzt auch recht herausmacht. Lisbeth hat alle früheren Censuren übertroffen

‒ „16 Eins!, nur in Betragen und Schreiben Zwei“!

– sie ist jetzt die beste in der ganzen Schule! Die beiden Geburtstage (von Walter am 29. Sept. und Emma am 6 Oct.) wurden recht vergnügt gefeiert. || Beide lassen Dir herzlichst für Deine Glückwünsche danken, und für die Bücher, die ich ihnen in Deinem Namen aufgebaut habe. Alle 3 Kinder sind recht munter.

Leider war das Wetter die ganzen 14 Ferien Tage so jämmerlich, daß wir keine Spaziergänge machen konnten, immer Regengüsse und Kälte. Agnes hat sich leider vor 4 Tagen wieder erkältet und liegt noch zu Bett, hoffentlich wird sie aber übermorgen wieder aufstehen. Überhaupt ist hier sehr viel Krankheit jetzt. || Im Übrigen ist es hier noch sehr still. Die Vorlesungen fangen in 14 Tagen an. Heinz giebt einen Ferien-Curs.

– Habe nochmals herzlichsten Dank, beste Mutter, für alle Deine Liebe! Die 8 Tage bei Dir waren doch sehr noth!

An Karl und die Kinder herzlichste Grüße!

Dein treuer alter

Ernst.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
10-10-1885
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Potsdam
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38936
ID
38936