Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Unbekannt, Pola , 14. April 1878

Pola Palmsonntag

14. April 1878

Gestern Abend 6 Uhr bin ich glücklich hier angelangt, nach herrlicher 8stündiger Seefahrt beim schönsten Frühlingswetter. Der Dampfer („Archiduchessa Carlotta“) furh um 10 Uhr von Triest ab. Ein paar Dutzend von meinen Triester Freunden (die ganze Familie Krauseneck, Weyprecht, General Consul Lutteroth, Oberst Radonetz u. viele Andere, waren schon um 9 U. Morgens am Hafen versammelt, um mir das Ehren-Geleit zu geben. Der Abschied von den guten Triestinern war ebenso herzlich, als der ganze Aufenthalt für mich sehr angenehm. ||

Hier in Pola wurde ich schon beim Anlegen des Schiffes an Bord (vom a Quai aus)b erkannt, und zwar von einem Marine Arzte, Dr. Sauer, den ich 1873 in Smyrna auf der Corvette Zryni kennen gelernt hatte (beim Capitain Lang und auf der Excursion nach Ephesus). Er geleitete mich sofort in das Hôtel Ribolli, wo ich eine treffliche Wohnung fand, dann in das Officirs-Casino, wo ich auf das allerherzlichste von einer Anzahl alter Bekannter empfangen wurde, die ich theils beim ersten Aufenthalt in Pola (1871) vor 7 Jahren, theils an verschiednen Mittelmeer-Stationen hatte kennen lernen. ||

Ich wurde sofort als Ehren-Gast in das Casino aufgenommen und habe alle Einrichtungen desselben (Lesezimmer, Caffé etc) zur freien Disposition.

Heute (Sonntag) Morgen besuchte ich zuerst den Vorstand des Hydrograph. Instituts, Capitain Gareis , der mich mit Seekarten versah, dann den Arsenals Director Admiral Sterneck (eigentlich „Freiherr Daublesky von Sterneck und Ehrenstein“). Ich war von Weyprecht und Lutteroth an ihn empfohlen. Er stellte mir sofort eine Dampf Barkasse (!) mit mehreren Seeleuten, eine Anzahl Taucher (!!) u.s.w. zur freien Verfügung für die 5 Tage meines hiesigen Aufenthaltes. ||

Ich bleibe nun 5 Tage Hier, reise nächsten Freitag nach c Fiume . Der Seebezirks Director in Fiume, Capitain Littrow (den ich noch nicht kenne!) hat bereits nach Triest telegraphirt, daß er für die ganze Zeit meines Aufenthalts in Fiume mir die Dampf-Yacht „Hertha “ zur freien Verfügung stellt!! Ich kann also im Quarnero umherdampfen u. fischen, wie ich will. Ich bin sehr wohl und munter. Die Festlichkeiten in Triest sind mir sehr wohl bekommen. Samstag 27. April denke ich in Jena zurück zu sein.

Herzlichste Grüße

Euer treuer Ernst

in Eile!

a eingef. mit Einfügungszeichen: Quai aus); b gestr.: unten; c gestr.: Pola

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
14-04-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38493
ID
38493