Haeckel, Ernst

Pestha Montag

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Mittag.

Liebste Agnes!

Diese Zeilen melden Dir meine glückliche Rückkehr in das deutsche Vaterland und zunächst nach Wien, wo ich bei Professor Grün 2 Tage bleiben und mir durch fleißigen Besuch der Welt- Ausstellung eine Vorstellung von diesem Wunder der Welt so verschaffen suchen werde. Freitag Morgen wahrscheinlich reise ich von Wien ab und denke Sonnabend Abend spät in Jena einzutreffen, vielleicht jedoch erst Sonntag früh oder Mittag.

Ich weiß noch nicht, wie die Züge gehen. Wie unendlich ich mich wieder auf die stille Heimath und das Zusammenleben mit Euch Liebsten freue, kann ich Dir gar nicht sagen, mein Herzblatt!

Ich bin doch das bunte, aufregende und anstrengende Wanderleben jetzt recht satt geworden und sehne mich nach dem ruhigen und behaglichen häuslichen Heerde und dem Zusammensein mit Dir und unsern lieben beiden Kinder. ||

Ich fuhr Freitag 2. Mai Mittags 1 Uhr von Constantinopel ab; unruhige Fahrt von 14 Stunden durch das Schwarze Meer. Mittagb 2 Uhr in Varna, von dort Abends per Eisenbahn nach Rustschuk. Hier bestieg ich das schöne große Donau- Dampfschiff, welches mich in 2tägiger sehr angenehmer Donau- Fahrt nach Bazias brachte. Von hier per Bahn nach Wien. Hoffentlich finde ich einen Brief von Dir bei Professor Grün, (Wien, Floßgasse No. 1, II. Stock).

Ich bin sehr wohl und munter, und hoffe von Dir und unseren lieben Kindern das Gleiche zu hören. Inzwischen herzlichste Grüße an die Mamma, Clärchen, Gegenbaurs, Straßburgers etc.

Unseren lieben beiden Kinderchen gieb einen herzlichen Kuß von ihrem Papa, den besten aber nimmt Du selbst in Gedanken von Deinem alten Ernst.

a kor. aus: Wien; b korr. aus: Sonnabend;

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
05-05-1873
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 37599
ID
37599