Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes und Ernst Haeckel [Potsdam, 13. Oktober 1883]

Lieber Ernst! und liebe Agneß!

Von Herzen danke ich Euch für alle Liebe, die Ihr mir bewiesen habt! – Mir ist es eine große Freude, daß ich einige Tage mit Euch und den Kindern und Karl und Siegfried in Eurem neuen Heim habe leben können.

Freilich machte mein Unwohlsein es nöthig daß ich früher abreisen mußte und es thut mir leid, daß ich Euch dadurch Sorge und Unruh gemacht habe; aber die Liebe erträgt und duldet ja Alles. – ||

Sonntag. Gestern war es mein Wunsch, daß meine Zeilen Euch, Lieben, ein Sonntagsgruß bringen sollte, doch ich konnte nicht weiter schreiben. So erhielt ich denn heute den Sonntagsgruß von Dir, mein lieber Ernst; wofür ich herzlich danke. Wie sehr freue ich mich, daß es Dir besser geht; und daß Ihr schon den Wechsel der Stuben gemacht habt; ich denke es wird Euch recht behaglich sein, und besonders freut es mich, daß die heranwachsende || Töchter mit der Mutter immer zusammen sein werden, wie ich ja überhaupt finde: der größte Seegen des Famielienlebens liegt doch in dem geistigen Ineinanderleben; – – – –

Von Karl hast Du wohl gehört, daß unsere Reise glücklich überwunden ist; mir war es lieb, daß Karl es Dir meldete, denn ich war zu a kaput, um zu schreiben. Obgleich durch mein Unwohlsein die Reise für uns etwas beschwerlich war, so reut es mich doch nicht, daß ich sie gemacht, ist es mir || doch so lieb, daß ich nun mit meinen Gedanken, b Euer Leben theilen kann. Bei unserer Ankunft fand ich hier Bertha, die hier bei Karls Kinder Marichen vertrat, sehr erkältet, mit Schmerzen im Halse, weshalb sie auch gestern abreiste. Hoffentlich geht es ihr bald besser. – Mir geht es ja auch schon besser, die Schmerzen sind nicht mehr so stark. Doch das Schreiben wird mir sauer, da will ich Euch auch nicht länger mit meinem Geplauder störenc. Nur noch die Bitte, mein Herzens Sohn, || übernimmt Dich nicht mit dem vielen Räumereien.

Sei mit Deiner lieben Frau, den Kindern und Georg auf’s herzlichste gegrüßt von

Deiner

alten Mutter

Lotte Häckel.

a gestr: g; b gestr.: d, c korr. aus: störzen

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-10-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36946
ID
36946