Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 20. Oktober 1880

Potsdam 20/10 80.

Mein lieber Ernst!

Herzlichen Dank für Deinen lieben Briefe, der mich sehr beglückt hat, da er mir die frohe Kunde brachte; daß Du wohlbehalten heimgekehrt seist und Deine Lieben gesund getroffen hast. – Für Beides danke ich Gott von ganzem Herzen! –

Wahrlich die Reise hat Dir viel Schönes gebracht, mit regem Intresse habe ich immer Deine Berichte gelesen, die ich treulich für Dich aufbewahrt habe, den letzten, wonach Du Deine Ankunft nach Jena zub Dinstag bestimmtest, erhielt ich vorgestern, dachte || mir aber gleich; wahrscheinlich kommt er Montag, da mein Ernst es liebt zu überraschen; und so ist es denn auch geschehn, wie ich durch Deinen gestern erhaltenen Brief, wofür ich herzlich danke, erfuhr. Wie sehr wird Agnes und die Kinder sich gefreut haben.

Nach meinem Wunsche, sollten Dich gleich ein paar Zeilen, meinen Willkommensgruß daheim bringen, aber ich konnte in diesen Tagen nicht zum Schreiben kommen. Montag bekam Karl Besuch von der Frau Predigerin Pöscher, Claras Schwester, || mit der ich zu Mittag und auch Abends, wo Karls Lesekränzchen versammelt war, unten war; den Nachmittag nahm mit ihrem Besuch die ganze Häckelei bei mir den Kaffe ein. Frau Predigerin Pöscher war gestern vor ihrer Abreise noch etwas bei mir; dann erhielt ich eine Kartte von Bertha worin sie sich zu heute b einlud, worüber ich mich sehr gefreut, da sie bei ihrerem [!] letzten Hiersein mir entschieden erklärt hatte, daß sie den heutigen Tage wünsche in Berlin zuzubringen. ||

Bertha schrieb auch, die beide Töchter meines Bruder Julius Bertha und Adelheid wollten auch mitkommen. Ich traf nun schnell meine Einrichtungen, ließ mir alles besorgen, lud Karl mit seinen Kindern dazuc ein, und so waren heute zu Mittag 10 Personen bei mir.

Bertha überraschte mich schon gestern Nachmittag, als ich grade Deinen Brief erhalten hatte, konnte also gleich Bertha Deinen an sie gerichteten übergeben. Die 3 Berliner sind um 6 Uhr wieder zurückgekehrt; da Stadtrichters noch zu Bertha kommen. ||

Da Karl, der Euch herzlich grüßt, morgen früh in Geschäften in Berlin sein muß, wollte er auch heute hinfahren den Abend bei Bertha sein und dort übernachten, er hatte aber so viel Acten noch zu besorgen, daß er erst morgen hier sein kann. Er fragt an, ob Du das Hypotheken-Document erhalten habest. Du möchtest es aber wenn Du herkommst mitbringen, damit er nachsähe ob alles in Ordnung sei. Karl wird morgen auch bei Herrn Joachim das Geld erheben für die gekündigte Pappiere, und ich werde es in die || Creditbank legen zu den früher eingelegten, und denke, dann es auf Hypothek unterzubringen; wozu Karl schon Auftrag gegeben hat. – – –

Karl bekam gestern auch von Herrn Joachim eine Kartte, worin er bat ihm die Nummer und Serie der Prämie anzugeben, um nachzusehn, ob welche verloost seien, Du hast 4 solcher; da ich das nicht aus dem Coupons sehn konnte, habe ich Deine Pappiere wieder auf gemacht, und Karl wird d morgen das gewünschte Verzeichniß an Herrn Joachim geben. Deine Pappiere wie auch die welche ich für Dich an-||gekauft habe, liegen in dem Documentenkasten, worin meine Bergwerkspapiere liegen; der in meinem Linnenschrank steht. Sei nicht ungehalten, mein Herzens Sohn, daß ich Dich gleich mit diesen Angelegenheiten quälle, die Dir, wie ich weiß, lästig sind; aber ich muß es gleich in Ordnung machen. Wenn Du überhaupt von mir noch etwas wissen willst über Deine Angelegenheiten, so frage nur, ich will Dir gerne über alles Auskunft geben. ||

Heute erleben Voswinkels ihre Goldene Hochzeit, Feier wird nicht sein, da er sehr schwach ist und kränklich. – Den 31sten October wird bei Brunnemanns das selbe Fest gefeiert, wozu viel Verwandte auch von Auswärts sich einfinden werden. –

Doch nun für heute: Gute Nacht! Gott behüte Dich und Dein Haus!

Grüsse Agnes und die Kinder herzlich von mir. Bitte übernimm Dich nur nicht mit Arbeit; Korekturen etc, das ist kein gutes Nachspiel der schönen Reise. Behalte lieb deine alte Mutter.

a korr. aus: be; b gestr.: auf; c eingef.: dazu; d gestr.: es

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-10-1880
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36887
ID
36887