Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 13. Oktober 1879

Potsdam 13/10 79.

Mein lieber Ernst!

Recht innig hat mich Dein heute erhaltener Brief erfreut, da ich daraus sehe, daß Ihr, Lieben, alle wohl seid, und wie sehr nehme ich Theil daran, daß Ihr Freude an Eueren Kindern habt; mögen sie ferner gedeihen, und zu braven Menschen heran wachsen. Herrlich ist es ja auch, daß Du solche Befriedigung durch Deine Arbeit hast, so gut wird es den Actenmännern selten bei ihrer Arbeit, die leben ja auch nicht so mit der Natur, wodurch uns täglich Gottes Wunder so nahe treten; und haben häufig mit den Sünden der Menschen zu thun. ||

Wie sehr ich mich auf Dein Kommen freue, brauch ich Dir nicht erst zu sagen: schon am ersten Tage als ich einzog, ließ ich das Bett für Dich stellen; im Ganzen ist es bei mir noch etwas bunt; die Küche mußte gestrichen und der Heerd gemacht werden, alle Ofen aus gebessert; die große Stube nach dem Hofe, die ich zur Wohnstube nehmen werde, mußte tapeziert, gestrichen etc werden, so daß täglich Arbeiter darin beschäftigt sind. Da stehen denn noch alle Möbel in den andern Stuben herum, und es wird wohl noch eine || Weile dauern ehe Ordnung wird. Nun Geduld! bin ich doch hier mit den Kindern zusammen, Karl ist ja so gut gegen mich. Ich esse Mittags und Abends unten; hoffe aber so weit zu kommen, daß ich Mittwoch oben kann kochen lassena.

Donnerstag habe ich Wäsche; die Stuben werden wohl erst später fertig, jetzt wird tapeziert, und dann muß der Boden noch mals gestrichen werden, und derb muß trocken sein, ehe ich einräumen kann.

Du fragst ob Berthas Geburtstag hier oder in Berlin gefeiert werden soll, ich glaube in Berlin nach dem wie sie sich früher || darüber ausgesprochen hat; ich werde ihr noch darüber schreiben, und es Dir dann mittheilen. Wäre ich besser bei Kräften, würde ich am 20sten nach Berlin gehn, aber das kann ich nicht unternehmen, und ich denkec, wenn nichts dazwischen kommt im November auf 14 Tage zu Bertha zu gehn, dann können wir ruhig zusammen sein, aber vorher muß ich hier alles ordnen.

Daß Du den Geburtstag Deiner lieben Frau noch erst in Jena feiern willst, ehe Du zu mir kommst, finde ich ganz natürlich; wünsche aber || daß Du dann gleich den 27sten zu mir kommst, sonst bist Du zu kurze Zeit bei mir, wenn Du schon den 3/10 wieder in Jena sein willst, und haben wir doch so mancherlei zu besprechen. – Sehr gerne schenke ich Deiner Agnes eine Lampe: muß Dich aber auf eins aufmerksam machen, ob es nicht besser ist erst später Lampen anzuschaffen, da man im Ganzen wieder Oehllampen den Petroliumlampen vorziehen soll, doch das können wir ja mündlich besprechen, da Du es doch jedenfalls erst hier oder in Berlin besorgen wirst. – – ||

Wenn Du kommst und es Dir nichts zu unbequäm ist, so bringe mir doch eine Serwelatwurst mit.

Hier bei Karl ist alles wohl. Georg bittet mich einliegenden Zettel an Dich gelangen zu lassen.

Sei mit Frau und Kinder innig gegrüßt von

Deiner

alten Mutter,

die sich sehr freut, Dich bald zu sehen.

a korr. aus: hoffen; b korr. aus: wer; c korr. aus: denken

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-10-1879
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36863
ID
36863