Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 28. September 1879

Potsdam 28/9 79.

Lieber Ernst!

Recht froh bin ich, Dich wieder zu Hause zu wissen, hoffentlich hast Du Dich von den Anstrengungen der Reise ganz erholt, und ich bitte Dich nur übernimm Dich nur nicht gleich: so sehr wie ich immer für Arbeit bin, so mußt Du Dir doch Zügel anlegen; Du möchtest immer alles schaffen, was Dir durch Deinen unruhigen Kopf geht, und thust da oft über Deine Kräfte, das ist auch vom Uebel. – – – ||

Auf Dein Herkommen freue ich mich sehr! richte es nur so ein, daß Du so lange als irgend möglich ist, bleibst: meine Tage sind gezählt und Du weißt welche Freude es mir ist mit meinen Kindern zu sein. Uebermorgen werden es schon 8 Jahr, daß ich einsam den Lebensweg gehe; doch ich will nicht undankbar sein, bleibt mir doch die Liebe meiner Söhne. –

Doch wohin irren meine Gedanken, wollte || ich Dir doch meinen Wunsch zum Geburtstag Deines Sohns schreiben. Gott gebe, daß der Junge brav werde; und die Eltern sich immer seiner freuen können. Da ich den Jungen so lange nicht gesehn, so kann ich mir nicht denken, womit ich ihm zu seinem Geburtstag eine kleine Freude machen kann, habe ihm daher geschrieben, ich wollte ihm mein Geschenk durch Dich schickenn, besprich allso mit Agnes was ich wehlen kann? ||

Durch einen Brief von Gustchen von Post an Bertha erfuhre ich gestern, daß bei Clasens (Anna Bleek) das 3te Mädchen am 17 ten August geboren ist; und alles gut geht.–

Hoffentlich hat Deine Agnes den fatalen Katar ganz überwunden, grüsse sie herzlich von mir und Deine Kinder. Lisbet Arm ist doch ganz gut? Karl ist heute nach Heringsdorf, kommt morgen wieder, kein angenehmes Geschäft. – Wie immer

Deine treue Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
28-09-1879
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36861
ID
36861