Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 6. August 1882

Potsdam 6/8 82.

Mein lieber Herzens Ernst!

Wenn ich Dir auch grade nicht besonders etwas zu schreiben habe, so verlangt mich doch Dir Dank zu sagen für die große Freude, die Du mir durch Deine gestern erhaltene Kartte gemacht. Ja, ich will Dir nur gestehn, daß ich mit großer Sorge an Dich dachte; nach so manchen Erfahrungen in den letzten Jahren, fürchtete ich: Du könntest Unangenehmes bei Deiner Anwesenheit in Würz-||burg mit Deinen Collegen haben; nun Gott sei Dank die Sorge war umsonst. Die Zeilen in Deiner Karte, daß Du freundschaftlich mit Virchow und Gerhardt verlebt hast, waren für mich eine große Freude, wie auch Deine Versicherung, daß Du gesund und vergnügt seist. So möge es Dir auch ferner auf der Reise recht gut gehn und Du gesund in Deine liebe Häuslichkeit heim kehrst und Frau und Kinder gesund findest. Daran knüpft sich dann für mich die Hoffnung: Dich mit Agnes im September bei mir zu haben. – Nun wie Gott will: in meinem || Alter sind die Stunden gezählt; mein Wunsch ist nur immer, daß Du mit Karl und den Seinen immer in Verbindung bleibst. –

Montag Gestern Abend wollten die Augen nicht weiter; nun will ich Dir noch eben berichten, daß ich morgen zu Mittag Gäste bei mir sehn werde: die Witweh von Ernst Naumann ist mit ihrem ältesten Knaben in Berlin; sie giebt Gastrollen in Krolls Theater, ist viel bei Bertha; ich habe sie noch nicht gesehn, sie sollte mal her kommen und da wurde nichts draus, weil ihr Sohn unwohl geworden war, hoffentlich kommt morgen kein Querstrich; ich möchte || sie doch gerne sehen.

Gestern hat mir Karl auch die Grundschein Briefe der Westphalia wozu Coupons besorgt sind übergeben, ich werde alles ordnen, und mit Die durchsehn, wenn Du hier bist, damit Du weißt wie Deine Sachen stehen. –

Karl war vorgestern in Neustadt; was er mir sagt: ist doch höchst traurig; vor seinera Abreise nach Süld, die bald sein wird, ich glaube Freitag, ist er noch sehr beschäftigt mit Anordnungen für die Hochtzeit; nur gebe Gott, daß alles gut verläuft, und Karl sich freuen kann an dem Glück der Tochter. – Auf Dein Herkommen freut sich sehr

Deine alte Mutter Lotte.

a korr. aus: sicherer

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
06-08-1882
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36825
ID
36825