Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, [ohne Ort und Datum]

Mein lieber Ernst!

Meine Gedanken sind so viel bei Dir, wie Du im Ganzen Dich nun nach der so unruhig verlebten Zeit in Deine stille Häuslichkeit wieder eingelebt hast, und wie Dich jetzt besonders das Vorhaben des Hausbaues beschäftigen wird; dies letztere mahle ich mir auch in Gedanken oft aus, und da fallen mir auch Kleinigkeiten ein, die gleich bei der ersten Anlage berücksichtigt werden müssen, als da || sind: 1) von den Kellerräumen gleich der zum Weinkeller passende Theil ausgewahlt [!] wird; an der Wetterseite, die für den Wein am passenden ist, und so gesondert a von den übrigen Kellerräumen, dass die Dienstboten nicht immer darin verkehren müssen. 2) wird nicht gleich bei der Anlage auf ein Clouset Rücksicht genommen, als Du hier den Plan des Baues zeichtest, war davon keine Rede. 3) kommt Wasser-||leitung oder muß ein Brunnen gegraben werden? 4) Wird im Keller Waschgelegenheit angebracht? 5) Wohin kommt die Mädchenstube?

Da kann ein gelehrter Professor sagen: La palien! aber das sind für eine Hausfrau Wichtigkeiten. Nun noch Eins: wenn alles festgesetzt ist, sage mir welche Termine sind gesetzt zur Zahlung, damit ich weiß, wann Geld für Dich bereit liegen muß. – – – ||

Wie gerne, mein lieber Ernst, sähe ich Dich noch in dem neuen Heim, das Du Dir jetzt zu gründen denkst, und in diesem Wunsche kam mir wohl augenblicklich der Gedanke, wenn du noch lebst, wenn das Haus fertig ist, so wirst du doch vielleicht noch mal nach Jena, doch abgesehn davon dass alles Wenn und Aber, trügt, habe ich handgreiflich erfahren daß daran nie mehr zu denken ist; wenn || ich nur einige Stunden im Garten gewesen bin, sind alles [!] Kräfte verbraucht; und ich sage mir: finde dich in dem, was nicht zu ändern ist! – –

Sind denn Deine Sachen aus Ceylon angekommen?? und wie?

Hier im Hause ist alles wohl. Hoffentlich auch bei Euch? Morgen werden sie bei mir zu Mittag sein, wie schön wäre es, wenn ich Dich mit Frau und Kinder auch könnte bei mir haben! Doch das gehört auch zu dem Unabänderlichen! ||

Karl hat sehr viel zu thun; im August wird er wohl ein Seebad besuchen. Natürlich muß er da vorher schon alles überlegen und bestimmen was für Annas Hochzeit nöthig ist, die wahrscheinlich Ende September sein wird. Dann wohnst Du aber mit Agnes bei mir, worauf ich mich schon sehr freue. Sei mit Agnes und den Kindern herzlich gegrüßt von

Deiner

alten Mutter

Lotte Häckel.

a gestr.: für

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
1882
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36818
ID
36818