Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 9. – 11. Mai 1876

Potsdam 9/5 76.

Mein lieber, lieber Ernst!

Wie sehr betrübt es mich, daß auch Ihr, meine Lieben, wieder mit Krankheit zu kämpfen habt. Die arme Agnes hat wohl viel Schmerzen? Du giebst mir wohl Beruhigung, es sei nicht gefährlich; aber mich trifft die Nachricht so ganz unerwarttet, wohl machte es mir Sorge, so gar nichts von Euch zu hören, und ich sagte mir immer, Du könntest nicht schreiben, wegen vieler Arbeit und ich wollte schon eine kleine Lextion an Deine Frau ergehn lassen mit der Anfrage, ob die Rektoratstelle auch die Frau so in Anspruch nehme, daß || siea nicht schreiben könne; nun erfahre ich heute daß sie zu Bette liegt, die arme Frau. Daß Lisbeth auch schlimme Augen hat, ist ja betrübt. Gott gebe beiden Lieben bald Genesung. Da ich so sehnlich wünschte von Euch zu hören, erbrach ich so freudig heute Dein Packet, und mußte nun sehn, daß es bei Euch nicht alles nach Wunsch ist. Für das übersandte Schriftchen danke ich Dir herzlich, schwerlich werde ich aber mehr als die Widmung davon lesen. –

Die Kinder bei Karl sind wieder gesund: Julius geht wieder zur Schule. Gehorg [!] ist wohl hergestellt, || bedarf aber noch Schonung und Erholung, ist frisch aber sieht noch schwach aus; doch sind wir dankbar froh, daß es wieder so weit ist; Clara leidet viel an einem Nagelgeschwür, das ihr viel Schmerz macht. Auch meine Schwester Bertha hat Hausarrest wegen starker Erkältung. Vorigen Donnerstag fuhr ich nach Berlin um sie zu sehn, und fand sie besser als das letzte mal als sie hier war. – Die arme Bertha Petersen hat noch viel zu leiden. So giebt es überall Sorge und Noth. – Nun wenn nur alles gut endet. – ||

11/5 Gestern habe ich diese Zeilen an Dich nicht abgeschickt, weil ich immer sann, ob ich nicht etwas zur Erquickung Deiner lieben Frau mitschicken könnte, aber bei der großen Entfernung weiß ich ja nicht, was ihr lieb und gut ist. So bitte ich Dich dringend, es mir zu sagen: ob und was ich thun kann? Soll ich ihr vielleicht Apfelsinen schicken? oder was sonst? Grüsse mir Deine Agnes und die Kinder herzlich und gieb mir Nachricht über Euer Ergehn, b in Gedanken ist doch immer bei Euch

Deine alte Mutter,

die Tag und Nacht mit Liebe an Dich denkt.

a eingef.: sie; b gestr.: ich

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11-05-1876
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36698
ID
36698