Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 9. Dezember 1873

Potsdam 9/12 73.

Lieber Ernst!

Heute bekam ich einliegenden Brief von Herrn Hofbauer, darnach kann ich Deinen Wunsch den bewußten Artieckel zu haben, nicht befriedigen; ich denke es ist überhaupt am Beßten, die Sache, die lange her ist ruhen zu lassen, zumal ich immer noch denke, daß Herr und Frau Hofbauer sich darin irren, daß Du darin genannt seist; da ich einen Artieckel früher gelesen worin erwähnt war: Herr von Jasmund || sei einem Reisenden sehr behülflich gewesen, aber es war niemand genannt. Ueberhaupt denke ich, Du wirst Dir nicht die Zeit verderben mit solche unerquickliche Quackereien. –

Gestern früh erhielt ich Deinen lieben Brief, wofür ich Dir herzlich danke; es thut mir nur leid, daß Du so viel zu thun hast, daß Du mir auch kein sterbens Wörtchen über Euer Ergehn schreibst, nicht ob Ihr gesund seid; || nichts von den Kindern ob das kleine Putti getauft ist? wie sie heißt? etc etc und von meinen beiden lieben Rangen? und von Agnes und von Dir. –

Deine Anfrage werde ich erfüllen: Karl und Clara freuten sich über Deine Geschenke. –

Die Wurstrechnung habe ich eingetragen. –

Die Actien der Bergwerks Gesellschaft Vereinigte Westphalia sind in Berlin bei Herrn Joachim angekommen, ich denke sie morgen dort abzuholen, da ich hin fahren werde um auch Bertha zu sehen. – Deine werde ich zu den übrigen Pappieren legen, da ich ja noch || mehrere für Dich habe, die hebe ich wohl auf, bis für Deine Mutter die glückliche Stunde schlägt: Dich hier zu haben. – Kann ich morgen in Berlin nicht zu Rexs kommen, so schicke ich Dir auf jeden Fall ein [Pfund]a Thee mit, den ich neulich für mich gekauft habe; ich habe zu Weihnachten nur Kleinigkeiten, etwas Naschwerk, doch denke ich es möglichst bald zu schicken; Du kannst ja die Kiste stehn lassen, bis Heiligabend; und sie nach dem Aufbau auspacken. ||

Nur sei sehr vorsichtig beim Auspacken, die Teller sind mit darin, und ich möchte nicht, daß sie zerbrechen, da sie erst mußten gemahlt werden, ist es eine theure Geschichte geworden; ich hoffe nur daß es Agnes Freude macht; sage ihr nicht was ich Dir hier geschrieben. – Daß Du mir den Brief aus Amerika mittheilst, amüsiert mich, ich werde aber in der Weihnachtskiste in ein Packet alle Briefe, die Du mir zum Lesen geschickt hast, und auch Zeitungen, die ich früher für Dich aufgehoben habe, schicken. ||

Heute Nachmittag besuchte mich Adeline Sebeck, die hier im Friedrichsstift ist, sie war sehr glücklich, daß es ihrer Schwester Frau Professor Passow viel besser ging, so daß sie Zelendorf bald verlassen könne, und in Berlin eine bessere Wohnung, wie die frühere in dem Predigerhaus beziehen würde. Adeline erkundigte sich sehr nach Euch, läßt Dich Agnes und Deine Schwiegermutter herzlich grüssen. –

Von mir bitte ich auch Frau Huschke zu grüßen. Hoffentlich hält sie sich diesen Winter gut. – ||

Karl und Clara lassen Euch auch schön grüssen. –

Nun: Gott befohlen, meine lieben Kinder; behaltet lieb

Euere

alte Mutter

Lotte.

Clara geht es jetzt doch im Ganzen etwas besser, die Schmerzen sind nicht mehr so arg.

a Symbol für Pfund

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-12-1873
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36557
ID
36557