Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 30. Juni 1872

Potsdam 30/6 72.

Mein lieber Ernst!

Eine sehr große Freude hast Du mir gemacht; daß Du mir gleich angezeigt hast, daß Ihr zum October eine größere Wohnung bekommt, ich kann mir so recht denken, welche Freude es für Agnes ist; im Geiste sehe ich sie schon recht darin wirthschaften, und da wird sie auch erst rechte Freude an so manche Sachen haben, die Ihr besitzt, aber a in der engen || Wohnung Euch mehr zur Last als zur Freude sind. Nun Gott gebe seinen Seegen, daß Ihr ein schönes häusliches Leben drin führt, und Euch recht behaglich drin führt. Ich werde wohl nicht mehr oft zu Euch kommen; aber es freut mich doch, wenn Ihr liebe Verwandte und Freunde bei Euch aufnehmen könnt.

Hast Du denn meinen letzten Brief nicht bekommen? worin ich Dir || schrieb, daß es mit Clara besser gehe, aber zugleich mit Deinem Brief bekam ich von Karl eine Kartte, worin er vom 28sten b sagt: Genesung schreitet stettig fort, Appetit gut; Seit gestern etwas Fleischkost, heute ist Clara schon ein Stündchen ausser Bett auf dem Sopha. Arzt recht zufrieden. Wenn ich reise bringe ich Clara wahrscheinlich nach Bieberich zu ihrer Cousine. etc.

Du siehst also, daß es Gott sei Dank gut geht. Karl denkt den 6ten zurück zu kommen. Eben kommt Anna, und freut sich, daß Ihr künftig eine Logierstube habt: so kann ich doch zu ihnen! sie grüßt schön, und hofft mal eingeladen zu werden. Dir, Agnes und den Kindern herzlichen Gruß von Euerer

alten Mutter Lotte. ||

Wohnten nicht früher Endemanns in Euerer künftigen Wohnung, ich dächte ich hätte sie dort besucht.

a gestr.: nicht; b eingef.: vom 28sten

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
30-06-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36476
ID
36476