Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Anna und Ernst Haeckel, [Berlin, 4.6. Oktober 1862]

Sonnabend Abend.

Liebe Kinder!

Es thut mir zu leid, daß der Anfang in Eurer neuen Häuslichkeit Euch so erschwert wird durch das Ausbleiben Eurer Sachen; ich war drüber auch heute beim Schreiben und besonders über Augusts Vorschlag so ärgerlich, daß ich glaube, ich habe recht verdrießlich geschrieben, und so ist es mir orndlich Bedürfniß noch ein bischen ruhig mit Euch plaudern. Vielleicht ist es ja in Beziehung auf Annas Gesundheit recht gut, daß die Sachen so spät kommen || daß sie die Erkältung erst los wird, ehe sie ins Kramen kommt. Hoffentlich braucht Ihr nicht zu lange mehr auf die Sachen zu wartten; und fühlt euch dann um so behaglicher in Euren 4 Pfählen. Es ist ja oft so im Leben, daß der Mensch das recht schätzen lernt, was er hat entbehren müssen. Nun haltet Euch nur gesund und bei gutem Muth, dann erträgt sich auch jede Unannehmlichkeit leichter. || Häckel ist heute Nachmittag zurückgekommen, sehr befriedigt von seinem Aufenthalt in Freienwalde. Jetzt ist er in der Geographischen Gesellschaft. Ich habe neulich vergessen, Dir zu schreiben, lieber Ernst, daß ich Deinen Brief an Georg Reimer selbst gebracht habe, der mir sagte, sein Schwager Zelter, der grade hier war, habe sich sehr anerkennend über Dein Buch gefreut und den Fleiß darin bewundert, Georg habe ihm ein Exemplar ge-||schenkt, worüber er sich sehr gefreut und gemeint habe, seinen Sohn würde es besonders interessieren. Da ich keine Antwort hatte, so ist der Trompeter von Sickingen mit eingepackt, Du kannst ihn ja später Karl zurück geben. Eben so sind keine Hüte mit eingepackt, Du schreibst, ich solle 2 einpacken und den Klapphut hier behalten, nun sind aber bloß 2 Klapphüte hier und einen weichen runden, sonst gar keine. Willst Du davon noch was geschickt haben, so könnte ich ihn ja zum || Silber recht gut packen.

Montag Abend Endlich finde ich einen ruhigen Augenblick zum Schreiben. Heute war Helehne hier, die Euch herzlich grüssen läßt, sie war auch sehr ärgerlich, daß Ihr Eure Sachen so spät bekommt, nun wenn nur alles gut ankommt, so werdet Ihr diese unangenehme Zeit bald verschmerzen. Ich habe mich schon sehr geärgert, daß Ihr nicht gleich von München zu uns gekommen seid, ich hätte dann Anna pflegen können, und Ihr hättet Eure Sachen hier arangiren können und bei uns wartten, bis alles nach Jena war. || Anna bitte ich in dem einen Dutzend Taschentücher noch Deinen Namen zu sticken, ich dachte vielleicht mit weisser Baumwolle, weil das andere Dutzend roth gezeichnet ist. Die Tücher liegen in einem blauen Pappier oben im Koffer, ich habe die Chabelone dazu gepackt. –

Dann waren hier mehrere Broschüren etc unter Kreuzband, die nach Jena adressirt, hier her geschickt. Die habe ich alle mit eingepackt. Wenn Ihr zu Weihnachten her kommt, bestellt nur || daß man solche Sachen Euch nicht nachschickt; wir haben hier viel Porto dafür zahlen müssen. – Karl schreibt mir bei dem Trompeter von Sickingen müsse ein kleines Heft liegen von Mimi über Musik, das sei auch von ihm; beim Einräumen Deiner Bücher achte doch drauf ob ich das mit eingepackt habe, und bringe es dann später mit her. Die Eßlöffel, die wir Euch schenken, habe ich heute auch bekommen und wünsche, daß sie euch Freude machen. Wie ist es dann || mein lieber Ernst, soll ich Dir auch Geld mitschicken, das könnte ich dann wohl zum Silber packen. –

Vorgestern früh soll Mutter Minchen hier durch gekommen sein, es hat sie aber niemand gesehn, Heinrich hatte zum Bahnhof gewollt, war aber zu spät geweckt. Ich weiß nicht ob ich es Euch schon geschrieben habe, daß Wilhelm Bleek die Stelle als Bibliothekar in der Kapstadt erhalten hat. – Tante Auguste [Text bricht ab]

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
06-10-1862
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36262
ID
36262