Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 25. März [1863]

Berlin

den 25sten

März

Lieber Ernst!

Schon längst hätte ich Dir gerne geschrieben; allein ich kann jetzt schwerer als je zum Schreiben kommen, im Ganzen ist der Winter für uns sehr unruhig gewesen. Wie sehr freue ich mich, daß es Dir und Deiner lieben Anna so gut geht; hoffentlich haltet Ihr Euch auch so, und der Umzug wird hoffentlich auch leicht überstanden, da es ja nur eine Treppe hinauf geht. –

Dein Erscheinen bei Hofe, mein lieber Ernst, hat mich || königlich amüsiert, wenn man Dir früher gesagt hätte; Du würdest Hoffdienste zu thun haben; das hättest Du wohl weit von Dir gewiesen; Du siehst also, daß man manches thun muß und dann auch kann was man für unmöglich hält. Nun es freut mich daß es so gut abgelaufen ist, und Dich die Sache amüsiert hat. Ich fürchte dabei nicht, daß die glatten Wortte, Dich eitel machen werden; Du wirst immer || mein schlichter, lieber Junge bleiben. –

Nun will ich Euch von hier berichten: Häckel ist etwas Erkältung abgerechnet ganz wohl, er hat von den Festlichkeiten nichts mit gemacht; dafür hat er gestern in Auftrag des Königs dessen Photographie erhalten. Jetzt ist es mir lieb, daß er nichts mitgemacht hat, sonst dächte man er habe sich dort den starken Schnupfen geholt. – Von Hermine hatte ich vor einigen Tagen einen Brief, die schreibt mir, 1) daß es Ihr und den Kindern gut gehe, 2) daß || Mutter Minchen sich sehr an die Nase gestossen habe, wovon Nase und Augen geschwollen wären; 3) daß sie an 27sten Karl erwarttet zum Packen und 4) daß sie denkt künftigen Dinstag mit den Kindern her zu kommen. –

In Potsdam wird Sonnabend Theodor erwarttet, Sonntag ist Adelheids Konfirmation. Theodor wird wohl 8 Tage dort bleiben, sie haben versprochen einen Tag zu uns zu kommen. – Tante Bertha hält sich in ihrer neuen Wohnung ganz behaglich; || etwa halben Aprill wird Karolinchen Naumann zu ihr kommen, sie sollte erst schon den 1sten¸aber da Bertha die erste Zeit mit ihr in Potsdam bei Julius sein soll, so ist es verschoben. Mit den Kindern geht es hier gut: Karlchens Husten bessert, wie auch Heinnrich die Kur gegen den Ausschlag gut thut.

Gestern war Frau Professor Weiß hier, der ich Deine Hofgeschichte vorlas, worüber sie sich sehr amüsierte, sie wird künftigen || Freitag Umzug halten. –

Klärchen Jacobi ist besser, sie darf wieder ausgehn, sieht aber viel wohler und frischer aus, als früher. Helehne hat uns am Sonntag einen Schreck gemacht dadurch, daß sie ohnmächtig geworden ist, a es geht ihr besser, nur haben sie meine auf gestern gebetene Gesellschaft abb sagen müssen auf Quinkes Rath. – || Zu heute Mittag sind wir Häckel und ich bei Tante Sack zu Mittag. Wie ist es, lieber Ernst, muß ich Dir noch Geld schicken? Oder hat es noch Zeit? – ||

Seid Beide auf’s innigste gegrüßt von

Euerer alten Mutter

Lotte.

Ich wünsche Euch vergnügte Feiertage.

a gestr.: ich w; b gestr.: auf; eingef.: ab

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
25-03-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36200
ID
36200