Haeckel, Carl Gottlob

Carl Gottlob Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 27. August 1869, mit Nachschriften von Charlotte Haeckel und Clara Lisco

Berlin 27 August 69.

Mein lieber Ernst!

Deinen Brief v. 13 August haben wir erhalten. Ich kann aber nicht sagen, daß er mir sonderliche Freude verursacht hat. Du lebst in einer nordischen Welt voller Kälte und Schnee und doch zögerst Du nach Hause zurükzukehrn. Du läßt es sogar zweifelhaft, ob du zu Carls Hochzeit, die am 17 Sptmb. ist, wieder hier sein wirst. Das ist nicht recht. Du darfst nicht vergeßen, daß Du auch Deinen Eltern und Carln angehörst. Ich muß also sehr darauf dringen, daß Du zu Carls Hochzeit wieder hier bist und bis zum 1. Octob. bei uns bleibst. Wenn Du erst ausgeflogen bist, kann man Deiner gar nicht habhaft werden. Denn bist Du erst wieder in Jena, so ist auch auf Weihnachten nicht auf Dich zu rechnen, wo das Reisen mit dem Kleinen schwierig ist und du nur kurze Zeit entbehren kannst, a um zu Deinen Eltern und Carl abzukommen. – Hier haben wir zum Theil schon kühleres Wetter, in diesen Tagen aber sehr warmes gehabt. Aber man merkt das Fortschreiten in der Jahreszeit an den kürzern Tagen und längern Abenden. Ich lese hier, nachdem ich Raumers neuere Geschichte, die mit dem westphälischen Frieden schließt, beendigt, Stenzels Geschichte des Preußischen Staats, ins besondre des großen Churfürsten, der zu dem preußischen Staate den Grund gelegt hat. – Alles weitere mündlich, wenn Du wieder hier sein wirst. Ich erwarte Dich jedenfalls zumb c 17 Sptmb. als dem Tage von Karls Verheirathung. Deine Frau spätestens zum 6.d Sptmb. – A Dieu für heute; ich rechne ganz gewiß darauf, daß Du zu Carls Hochzeit hier bist.

Dein dich liebender Vater Haekel

[Nachschrift Charlotte Haeckels]

Sonnabend. Da die Briefe zu Dir so langsam gehen, werde ich Dir wahrscheinlich nicht noch mal schreiben. Gott gebe uns allen ein frohes Wiedersehen!

Wie immer

Deine alte Mutter. ||

2) Frau Prof. Weiß ist noch in Elster mit Elli und von dort ein paar Tage in Eger gewesen. – Jacobis sind, nachdem er krank war, zur Erholung verreist nach Heidelberg etc. – – –

Hier wird die geographische Gesellschaft am 14ten September eine Feier veranstalten zur Erinnerung an Alexander v. Humboldt; diese Tage war das Zirkular zur Unterschrift für die Theilnahme hier, ich sagte dem Bothen, daß Vater nicht kommen würde, aber wenn Du hier wärst, würdest Du mit Karl kommen.

[Nachschrift von Clara Lisco]

Lieber Schwager Ernst!

Zu diesem unvergleichlichen Rüffel unseres geliebten Alten muß ich wenigstens einen herzlichen Gruß mit der Bitte zufügen, daß Du doch ja zum 18ten September bei uns sein möchtest, doch ich denke bei Deiner Liebe zu Karl brauche ich Dich darum nicht ganz besonders dringend zu ersuchen, sondern Dein Herz treibt Dich schon von selbst, Deine Arbeit so früh zu beenden, als es Dir irgend möglich ist, ich wollte Dir nur noch von mir sagen daß ich es ebenso dringend wünsche und ersehene, wie mein lieber Karl, daß Du uns zu diesem Festtage nicht fehlen möchtest! Daß wir eine schöne und sehr reiche Zeit miteinander verleben, glaubst Du mir wohl ohne Versicherung, ich bin sehr glücklich und bis jetzt noch jeden Tag glücklicher geworden und wünsche nur aus tiefster Seele, daß ich für jetzt und die Zukunft die Kraft haben möchte Karl und die Kinder ebenso froh und befriedigt zu machen, wie ich mich fühle. Deine liebe || Frau dürfen wir, wie ich höre Anfang September erwarten, ich freue mich recht darauf, sie zu sehen; an demselben Tage an dem sie in Berlin eintrifft, werde ich mit Karl wohl in Landsberg sein, da wir den 6ten September Mimis Todestag, gern dort zusammen zubringen wollen. Am 8ten September schon wollen wir den Umzug meiner Sachen bewerkstelligen, damit wir bei unserer Heimkehr von der Reise in eine geordnete Häuslichkeit kommen.

Unsere Trauung soll bei meinem Bruder im Hause stattfinden, zu meinem großen Bedauern kann meine einzige Schwester nicht dazu hier sein, um so mehr wünschen wir Deine Gegenwart herbei! Nun ade, lieber Schwager, denke trotz Deiner Schwämme und in Mitten Deiner Schwämme auch zuweilen Deiner fernen Lieben in der Heimath und sei aufs Herzlichste gegrüßt von Deiner Schwägerin

Clara Lisco.

Berlin d. 27. 8. 69.

a gestr.: auf; b korr. aus: zu; c gestr.: Carls; d eingef.: 6.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
27-08-1869
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35921
ID
35921