Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Ziegenrück, 9. Januar 1854

Ziegenrück

9 Januar 1854

Lieber Ernst

So muß ich Dir denn auf Deinen lieben ausführlichen Brief, der heut angekommen, wieder nur mit einigen Zeilen antworten. Die Fatalität von der bis dato nicht a angekommenen Stolle, und was sonst im Paket war, wir d Mutter gemeldet haben. Der dabei liegende Brief sollte Dich benachrichtigen – und dafür thut es jetzt dieser – daß wir Dich lieben alten Jungen zum Pathen unsres Jungelchens auserkoren haben und Dich freundlichst bitten, wenn möglich, zur Taufe, die am 18 ten d. M. sein wird hier zu sein. Doch gestehe ich Dir offen, daß letzteres eigentlich nur ein Wunsch ist von dessen Nichterfüllung ich schon im Voraus überzeugt bin. Ja, wenn Ferien wärn ! Das läßt sich nun aber einmal nicht immer so einrichten, wie man es gerade wünscht. Hole es nur durch baldigen späteren Besuch nach, den Du uns vielleicht schon im Frühjahr machen kannst. Vater scheint nämlich doch für || nöthig zu halten, daß Du Dich dann persönlich zur Aushebung stellst. Ich schreibe Dir das jetzt, wenn es Dir auch unlieb sein mag, damit Du nachher nicht aus schönen Träumen über Ferienbeschäftigung gerissen wirst. Einen Theil der Ferien kannst Du ja immer noch in Würzburg zubringen, und eine zeitweise Ausspannung aus dem kontinuirlichen Studiren ist am Ende doch recht gut. Sei nur so gut und widerstrebe dem nicht weiter, wenn Vater es einmal so will.

Ueber Dein Festzeit-Leben habe ich mich sehr gefreut, alter Junge; am meisten daß Du Dich an nette Leute enger angeschlossen zu haben scheinst und auch mal ordentlich unter die Menschen gekommen bist. So ein großer Kommers hat in der That etwas Hochpoetisches.

Ich habe mich in den Festtagen etwas ausgespannt, nachher aber wieder tüchtig herangemußt , und dieser Tage recht mit großen Sachen zu thun gehabt. Drum kann ich Dir auch nicht viel Gescheites schreiben; was kann so eine ausgedörrte b Zitrone noch für Saft von sich geben? || Ueber den Jungen habe ich täglich viel, sehr viel Freude, und meine Mimmi ebenfalls.

Bleib auch im neuen Jahre mein alter lieber treuer Bruder wie ich der Deine

Karl.

a eingef .: nicht; b gestr .: g

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-01-1854
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35424
ID
35424