Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Anna und Ernst Haeckel, [Berlin], 2. September [1863]

den 2ten September

Liebe Kinder!

Ohne Gruß kann ich des Vaters Brief nicht abgehn lassen, wenn es mir auch sehr schwer wird zu schreiben, theils wegen der Hitze, die mich ganz mürbe macht und keinen orndlichen Gedanken aufkommen läßt; und dann beschäftigt mich sehr Hedwigs Kranksein. Gott gebe nur, daß alles gut geht. –

Quincke ist jetzt wieder zurück und behandelt sie, was mir doch eine große Beruhigung ist. ||

Ueber die Verlobung von Katharina Orthmann habe ich mich sehr gefreut; wenn Du sie siehst, sage ihr meinen herzlichsten Glückwunsch. –

Gerne hätte ich Euch hier bei der Hochtzeit von Theodor und Marie gehabt, es würde Euch gefreut haben so viele liebe Menschen zu sehn; die Traurede von Eltester war einfach, aber sehr schön und mir gefiel darin so ganz besonders, wie er das Innige geistige Verstehn unter Eheleuten als das Nothwendigste zua einer glücklichen || Ehe bezeichnete, aber dabei auch auseinander setzte wie auch dazu gehöre, die treue Beobachtung aller Berufsgeschäft, und wie namentlich die Frau in der Treue im Kleinen, wenn sie für ihre Thätigkeit nichts zu gering achte, ihre Liebe dadurch beweise etc etc. Im Ganzen war die Feier an dem Tage sehr schön, aber doch ernster als es sonst wohl in dem Kreise gewesen wäre, es lastete wohl so manches schwer auf die Gemüther, Hedwigs Krankheit, Augustens Abwesenheit etc etc. Johannes, Herrmann, Anna und Post waren || hier. Post hat mir wohl gefallen, sieht aber sehr kränklich aus. Heute wollte das junge Paar abreisen. –

Karl und Herrmine freuten sich so sehr auf Euer Kommen, daß es mir leid für sie wäre, wenn Ihr nicht zu ihnen reistet; ich habe Karl gesagt er solle mit Herrmine besprechen, ob Ihr ihr jetzt gelegen kommt; Ihr schreibt, das Reisegeld würde nicht reichen, das wollen wir Euch geben. Haltet Euch aber nicht zu lange auf, damit wir Euch || orndlich haben, ich mich sehr freue. –

Frau Professor Weiß war vorgesternb Nachmittag hier, sie grüßt Euch schön. – –

Gestern Abend besuchte uns Parthei, auch Julchen von Untzer. Beidec blieben bei uns den Abend. Julchen sah wohl aus, klagte aber, daß ihre neue Wohnung so unruhig sei. Gertrude ist vorigen Donnerstag Abend von Ems zurückgekommen, sie war auch mit in Potsdam, sieht aber sehr elend aus. || In wenigen Tagen wird Auguste mit Posts nach Bonn gehen, und Posts von da Mitte September nach London wo sie sich einschiffen. Donnerstag wird in Jena Ernst Reimer Hochtzeit sein; er war sehr heiter in Potsdam. Daß Bertha Euch von Jena am Hochtzeitstage Blumen geschickt hat, ist ja rührend. – Wir haben in Hirschberg Euerer recht gedacht an dem Tage. – –

Voswinkels sind gestern auch aus Westphalen wieder || hier angekommen. –

Grüßt mir Mutter Minchen, Helehne und wen ich sonst dort kenne herzlich von mir. –

Und Ihr, meine Beiden Lieben seid noch besonders gegrüßt von

Euerer

alten Mutter

Das Buch ist bestellt, und wird in 14 Tagen hier sein. –

a korr. aus: zum; b eingef.: vor; c korr. aus: Beider

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
02-09-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 35398
ID
35398