Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 22. Dezember 1887

Potsdam

den 22 Decbr 1887.

Lieber Brudera!

Ich muß Dir doch noch vor dem Feste mittheilen, daß unsre liebe Alte bei der Abrechnung über die pro 1 Januar kommenden Jahres erhobenen Coupons erklärt hat, sie wolle die ihr pro I Quartal disponibel bleibende Summe, die sie nicht verbrauchen werde, nicht anderweitig anlegen, sondern wir beide sollten es uns theilen und nach Gutdünken verwenden. Sie hat uns damit ein Weihnachtsgeschenk von 600 M, für jeden 300 M. gemacht und ich habe Dir letztre Summe gut geschrieben. ||

Es kam mir das doppelt unerwartet; da sie sonst immer besorgt war, sie könne am Ende nicht auskommen. Nun hatte ich ihr aber auf ihren Wunsch wiederholt eine Movanum- Zusammenstellung gemacht und das scheint sie nun doch beruhigt und ihren Sinn gewandelt zu haben. Vorm Jahre hat sie Nichts zu Weihnachten geschenkt.

Sie läßt Euch herzlich grüßen und ein freudiges Fest wünschen. Mit dem Schreiben geht es jetzt gar nicht mehr. Einer von uns oder das Mädchen muß ihr die || Ausgaben anschreiben. Selbst eine Quittung kann sie kaum noch unterschreiben. Sie klagt viel über Mattigkeit, ist aber sonst fast unverändert, für jeden kleinen Dienst, den ich ihr thue, rührend dankbar.

Erst konnte sie sich gar nicht darin finden, daß ich die Coupons u. damit die Verwaltung der Einkünfte übernommen habe. Jetzt sieht sie, scheint es, ein, daß es doch nicht mehr anders geht.

Heut u. morgen habe ich noch scharf zu thun; sonst werde ich aber wohl hübsche Ferien bis Neujahr haben. Ob Heinz kommt weiß ich immer || noch nicht. Tante Bertha will den 24st Nachmittag kommen und bis 2t Feiertag bleiben. –

Eben – früh 8½ Uhr, während ich schreibe, kommt Dein Brief vom 20st dieses Monats u. der an Mutter. Hab’ recht herzlichen Dank für die Sendung, die hoffentlich gut ankommt.

Die M: 2000. sende ich, falls Heinz nicht kommt. Hoffentlich kann ich es ihm mitgeben. Daß A. fortgeht, bedaure ich recht. Wer wird der Nachfolger? –

Ueber die zu Weihnachten zur Disposition gestellte Summe berichte ich Dir später. Auch dafür bestenb Dank. Grüße Frau und Kinder – die Lisbeth nicht zu vergessen! – bestens von mir und allen Kindern

Dein treuer Bruder

Karl.

a gestr.: Sohn; eingef.: Bruder; b eingef.: besten

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
22-12-1887
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35239
ID
35239