Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 18. Juli 1889

Potsdam

18 Juli 1889

Lieber Bruder!

Endlich habe ich mit beginnenden Ferien die Muße gewonnen 1.) anliegendena Jahresabschluß über Dein Vermögen zu fertigen und 2.) die Reinschrift der seit Anfang April bewirkten Vertheilung von Mutters Effekten in duplo zu bewirken.

Ich bitte Dich von letzterer, die ich ebenfalls beifüge, das zweite Exemplar zu behalten, u. das erstere unterschrieben mir zurückzusenden. (recommandiert) Die Schlußrechnung (siehe unten)b über die Baareinnahmen seit Mutters Tode und die noch gemachten Ausgaben habe ich in ihrem Hauptbuche eingetragen und lege sie Dir im September vor, wenn Du dann, wie ich bestimmt erwarte mit Agnes herkommst um auch die Silbersachen, Wäsche pp zu theilen. Ich denke, bis Mitte September dann mit der oberen u. unteren Wohnung in Ordnung zu sein. Es geht mit dem Bau regelmäßig vorwärts, aber eher wird doch nicht || alles fertig, u. meine Wohnung wird erst, wenn ich c reise, in Angriff genommen. Wohin ich gehe, weiß ich noch nicht bestimmt doch brauche ich in kein Bad u. möchte am liebsten das mir von Dir bewilligte Reisegeld zu einem Ausflug in die Schweiz verwenden; ich nehme an, daß ichd dann natürlich von dem meinigen noch zulege. –

Von Mutters Baareinnahmen inclusive der bis 1 April erzielten bleiben nach dem Ausgleich zur Theilung der Papiere immer noch gegen 2000. Mk. übrig. Zu e Theilungsberechnung bemerke ich daß ich die laufenden Coupons nicht berechnet habe, wo wir gleiche Papiere respektive gleiche Couponzinsen durch die Theilung mit bekommen. –

Hier alles munter; Georg und Julius seit gestern auf 8 Tage in Lichterfelde; Siegfried in Meisdorf, wo er sich nach eben erhaltenem Brief sehr wohl befindet.

Die vorige Woche war durch die Hedwig Lisco’sche Hochzeit etwas unruhig, die Schwestern des Bräutigam auch einen Nachmittag hier, und ich einen Abend in Berlin bei meinem Jungen. Reichsgerichts Rath zum Abendessen. Auch machte die Hitze sehr mürbe. Wir || sind froh, jetzt kühleres Wetter u. Regen zu haben.

Ist denn mit Heinz’s Habilitation irgend eine Feierlichkeit verbunden? Braucht er Geld dazu?

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Dein

treuer Bruder.

NB. Die große Ändrung, die durch den Verkauf sämmtlicher Landschaftlichen Central-Pfandbriefe entstanden, fällt erst in nächste Abrechnung. Ich habe übrigens mit Vortheil für Dich verkauft u. hoffentlich auch gekauft!

Die 2 Uebersichten über den Kapitalbestand pro 88 u. 89, die ich noch beifüge, erbitte ich mir wieder zurück.

Hkl.

a gestr.: die; eingef.: 1.) anliegenden; b mit Einfügungszeichen eingef.: (siehe unten); c gestr.: Reis; d gestr.: lege; eingef.: daß ich; e gestr.: Unterschrift; eingef.: Theilungsberechnung

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
18-07-1889
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35202
ID
35202