Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 7. Juni 1875

Potsdam d. 7 Juni

1875.

Lieber Ernst!

Mutter hat Dir zwar zugesagt, zum Jubiläumsfeste nach Jena zu gehen u. bei Dir zu bleiben, bis Agnes zurückkommt. Es sind ihr jedoch nachträglich Bedenken aufgestiegen, ob Du in dieser Zeit viel Hülfe von ihr haben würdest, und, da Du doch den größten Theil des Tages nicht zu Hause bist, sie selbst von dem Aufenthalt viel haben werde.

Meine Bedenken sind noch andrer Art. Einmal ist Mutter jetzt doch so gebrechlich, daß ich ihr überhaupt nicht zu einer Reise rathen kann. Aber wenn sie es trotzdem thun will, so ist es doch in der That zweckmäßiger, und sie hat mehr von einem Aufenthalt in Jena, wenn Agnes zu Hause ist mit den Kindern, als wenn sie abwesend ist. ||

In letztrem Falle würde Mutter nur die Last des Wirthschaftens haben.

Ueberlege Dir nun mal, ob es nicht besser ist, wenn Du den Plan, daß ich sie Dir mitbringe (bis Merseburg) aufgiebst und sie gar nicht oder doch zu einer Zeit, wo Agnes zu Hause ist, hinkommt.

Bis Jena könnte ich sie keinesfalls bringen, da ich wahrscheinlich erst am Dienstag Vormittag reise.

Ich denke auch nur bis Donnerstag früh in Merseburg zu bleiben und dann direkt hierher zurückzukehren.

Bitte antworte bald.

Mit herzlichen Grüßen, auch von Clara, an Euch

Dein

treuer Bruder

C. Haeckel

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
07-06-1875
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35069
ID
35069