Sethe, Anna

Anna Sethe an Ernst Haeckel, Berlin, 20. März 1860

Berlin den 20. 3. 60.

Wieder ist glücklich eine Woche vorüber, mein lieber, lieber Erni, noch 6 mal und ich bin die Glücklichste auf Erden, ich vergeße ganze 5/4 Jahr meines Lebens und feiere im Frühjahr ein Auferstehen, ein Wiedersehen, schöner, wie die Blumen in der großen Natur. Deinen Brief bekam ich diesmal wieder später, gestern Morgen, als ich am Klavier saß und übte. Hab Dank für die herzigen Zeilen, aus denen auch schon Unruhe und Reiselust sprechen. Sonnabend hatte ich mich den ganzen Tag mit dem Gedanken herumgetragen, heut stellt der Erni gewiß die Arbeit ein; Sonntag vermuthete ich Dich in Messina’s Umgegend umherstreifend und gestern das Packen beginnend. Ich habe mich recht auf Deinen gestrigen Brief gefreut, daß diese Sache schon abgemacht ist und heute die Kisten mit den reichen Schätzen des Meeres ihre Reise antreten. Eine glückliche Fahrt bestelle ich ihnen; der Gedanke ist schrecklich, daß Sturm das Fahrzeug treffen könnte und die eroberten Thiere in’s Meer zurückkehrten. Gewiß hast Du beim Packen an Dein Einpacken hier vor der Reise gedacht und Dir Deine damalige Hülfe zur Seite gewünscht, was diese gar gern gethan hätte. Bei dieser kunstlosen, mühsamen Arbeit greifst Du in unser Amt; zu gebrauchen wäre ich also auch schon bei dergleichen Sachen. Nun verfolge ich Dich Tag für Tag, weiß Dich bald auf den Bergen mit dem Skizzenbuch, bald in Deinem Zimmerchen am Mikroskop, bald noch zum letzten Mal bei dieser oder jener deutschen Familie, die Du lieb gewonnen und denen Du lieb geworden bist; bis endlich der 1 April herannaht, in dem Du die Italiener heimschickst. || Glück auf den Weg, mein lieber, bester Schatz; Gott, der Dich auf der ganzen Reise so treu beschützt hat, verlaße Dich auf dieser letzten Fahrt nicht, halte Sturm ab und führe Dich gesund und ohne Gefahren auf französischen Boden, den Du dann in 3 – 4 Wochen mit Deinem deutschen heimathlichen vertausch’st. Dies wäre also der letzte Brief, den ich nach Italien, und speciell nach Messina schriebe; ich bin nicht bös darüber, obgleich ich dem Hafen dort recht hold bin und wenn das Waßer mich verstünde, ich ihm gewiß meinen Dank aussprechen würde für die schönen Thierformen, die es Dir zu Theil werden ließ. Die Zahl 100 ist also wirklich bei Deinen Entdeckungen erreicht; ich bin ganz stolz auf Dich und denke und träume lebhafter, denn je von Jena, deßen Leben Betzold gestern den Alten wieder sehr angenehm geschildert hat. Ich hoffe ihn in den acht Tagen, wo er noch hier ist, noch zu sehen, und ihm persönlich Grüße für Dich aufzutragen, die er freilich erst mit nach England nimmt, gewiß aber noch mit deutscher Wärme ausgerichtet werden. Er ist nämlich, wie ich höre, aufgefordert worden, in England einige Vorträge zu halten und reis’t über Paris zurück, worüber ich mich in Deiner Seele sehr freue. Wenn Ihr dort Vieles gemeinsam beschauen und genießen könntet, wäre für Euch Beide der doppelte Genuß, und das Gefühl, in der großen, fremden Stadt einen Freund zu haben und sich mit diesem in der vaterländischen Sprache Gefühle und Empfindungen auszutauschen, trägt gewiß nicht wenig zur Gemüthlichkeit und zum Behagen bei, das Du sonst vielleicht in der französischen Weltstadt entbehren müßtest. || Ich freue mich ungemein für Dich, daß Du sie zu sehen bekommst; pflege Dich aber ordentlich, das thut bei so vielem Sehen und In sich aufnehmen noth; ich muß Dich frisch und gesund wiedersehen, wie Du mich wohl und kräftig finden sollst. Bei dem schönen Wetter, das wir seit ein paar Tagen haben, halte ich kaum in dem Zimmer aus; hinaus in die Natur lockt es mich mit Macht und doch gefällt es mir selbst da nicht ohne Dich, da heißt es denn ausharren, Geduld haben; wird es doch auch erst schön, wenn Du heimkehrst, wenn Alles grünt und blüht; ja, ja, lieber Schatz: „Die ganze Natur soll feiern mit uns des Wiedersehens Fest.“ Dein herzig Lied muß oft die Ungeduld vertreiben und mich der Gegenwart, dem Entbehren wiedergeben, wenn ich in Zukunft oder Vergangenheit umherschwärme. Italia ist auch eine wahre Fundgrube für Trost, Hoffnung, Muth und Ausdauer, wenn ich nicht die reichste in meinem eigen Herzen hätte, wo kindlicher, fester Glaube an Gott und an Dich, an die reinste, wahrste und innigste Liebe zu Dir mich stets heiter und fröhlich erhalten. Darin kennst Du mich ja auch und hast nicht unrichtig in Deinem vorletzten Briefe an meine Vernunft apellirt hinsichtlich des Aufenthaltes in Paris, um deßentwillen ich meine Sehnsucht noch auf 3 – 4 Wochen beruhigen kann. Sonst wird mir freilich alle Vernunft abgestritten, und viel besitze ich auch wirklich nicht, aber ich glaube in diesem Punkte laße ich das Gefühl nicht so über mich Herr werden, wie Deine Mutter, die, wie sie Dir wohl auch geschrieben hat, sehr gegen die Pariser Reise war. Jetzt hat sie sich darin gefunden und freut sich mit uns über Deine baldige Rückkehr. Vor den letzten Tagen fürchte ich mich etwas; Deine Gedanken erhalten dann in Bonn eine bestimmte Richtung, allein meine werden wohl auf und davon gehen. Höre, wie ich gelebt habe. ||

Dienstag 13 war ein sehr unruhiger Tag, der mit einigen Besorgungen anfing; um 11 Uhr holten Sophie und ich Frau von Ammon ab und gingen mit ihr in das Abgeordnetenhaus, wo ich bis 3 Uhr mit großer Spannung und Intereße die kräftigen und guten Reden von Riedel, Blankenburg, Duncker, Brämer und Reichensperger anhörte in der Sache wegen Aufhebung der Wuchergesetze, die denn auch glücklich durchgegangen ist, um wahrscheinlich vom Herrenhaus wieder verworfen zu werden. Das lebhafte politische Treiben im Hause und die etwas gereizte Stimmung der rechten und linken Seite gegeneinander, das ich seit dem vergangenen Jahr nicht gesehen hatte, amüsirte mich ungemein. Wir aßen Mittag bei Helene, wo wir auch Frau von Ammon mit hinnahmen, die mir sehr gut gefällt und Dir gewiß nicht weniger, namentlich, wenn ich Dir sage, daß sie sich lebhaft für Naturwißenschaft intereßirt. Mutter brachte mir zu Jacobis ein Stück Reisebericht mit, das über Freienwalde angekommen war. Die Reise nach Syrakus in Deinem heutigen Brief ist wirklich sehr abenteuerlich und Deine Heldentaten gegen den wilden Wirth sehr lobenswerth. Das scheint mir eine echt italienische Scene zu sein, wie sie wohl fast Jeder durchmachen muß. Derartige Eindrücke von der Reise wirst Du gewiß gern der Vergeßenheit preis geben; desto beßer werden die angenehmen, schönen und großartigen Bilder in Deiner Seele haften und mich mit erfrischen und erfreuen, wie Du sie so oft gesehen hast. Mit Dir vereint danke ich also bei Deinem Abschied von dem ewigblauen Himmel, den rauchenden Vulkanen, dem Lust und Glanz in der Natur und Kunst dem Schicksal, das Dich Theil nehmen ließ an all diesem Schönen, Dir 15 herrliche Monate bereitete, die noch bis in’s späte Alter Deine Freude, Dein Glück sein werden und die den strebsamen Jüngling erzogen haben. ||

Dienstag Abend gingen Helene, Heinrich, Sophie, Louis und ich in das große Ballet: Flick und Flock, für mich überhaupt das erste, das ich gesehen habe. Wenn ich auch keine besondere Sehnsucht nach einem zweiten fühle, so haben mich die wechselnden Bilder, die brillante Dekoration, die graziösen, wenn mitunter auch unschönen Tänze und die Nationalcostüme der verschiedensten Länder doch sehr amüsirt. Besonders gut gefiel mir eine Decoration vom Meeresgrund, mit Korallen, Moosen, Schwämmen etc. übersät, wobei ich lebhaft meines Taucher’s gedachte, der den Meeresboden beßer kennt, als ich.

Mittwoch 14 saß ich nach langer Zeit wieder ein paar Stunden ruhig in meinem Zimmerchen, was Körper und Geist immer recht gut bekommt. Nach dem Eßen hatten wir Beide Klavierstunde, die mir sehr lieb und angenehm ist. Dann hatte ich noch allerlei zu besorgen, zu ordnen und einzurichten, da wir Abends Gesellschaft von 40 Personen bei uns sahen. Es waren nicht nur Familie, was oft sehr langweilig wird, sondern auch andere Leute, mit denen ich mich recht gern unterhalte, wie Ammons, Quinckes, Bendemanns, Leos, Georg Reimers, von jungen Leuten Georg Quincke, der mir nächstens helfen wird, einen Profeßor zu vergiften, ein Leutenant Kusserow und Leutnant Sommer, Beide Jugendgespielen von mir, Brüder von meinen Freundinnen, die ich nach den Tobe- [?] und Spieljahren nicht wiedergesehen hatte. Da wurden viele Erinnerungen aufgefrischt und ihr Intereße für mich übertrugen sie auf Dich, da sie sehr neugierig auf Deine Persönlichkeit geworden sind. Max Sack war albern und unangenehm wie immer und ließ sich gehörig von mir abtrumpfen. Die Reimerschen Mädchen erzählten mir sehr viel von der neuen Verlobung in ihrer Familie. Adelheid Reimer, die dritte Tochter von Karl, die ¾ Jahr bei einem Onkel bei Heidelberg gelebt hat, hat sich dort mit einem jungen Kaufmann Stößer [?] verlobt, der nach Aller || Beschreibung und Erzählung sehr angenehm und natürlich sein muß. Ich habe das Brautpaar bis jetzt immer verfehlt und muß mir also mein Urtheil vorbehalten und kann ihnen nur ein gleiches Glück und Befriedigung wünschen, wie wir sie gefunden haben. Jugendlich frisch, fühlen sie gewiß wahr und recht.

Donnerstag 15 brachte ich der Alten Braureste von unserem Fest, die Du sehr wohl und frisch finden wirst; ich freue mich jedes Mal wenn ich sie sehe, was leider jetzt durch Sophiens Anwesenheit nicht so oft sein kann, wie ich möchte. Dann ging ich in die Schneiderstunde und fand wie gewöhnlich zu Haus Theodor, Louis vor. Nach dem Kaffee besuchte ich Tante Bertha, der ich nach einem schlimmen Rencontre mit Tante Gertrud, welche die Frühjahrsluft in keine brillante Laune zu versetzen scheint, Deinen letzten Brief vorlas und mit ihr plauderte. Leider mußte Abends wieder in Gesellschaft zur Geheimräthin Jacobi, wo mein Amüsement im Ärger über eine bornirte Frau von Schrötter bestand, deren Mann ein Kreuzzeitungsritter auf der rechten Seite des Hauses sitzt, und die in lobenswerther Harmonie mit ihrem Manne die baroquesten Ansichten entwickelte, Vincke in die Hölle sandte und immer von Pack sprach, worauf ich ihr schließlich gehörig diente und mich dann in ein anderes Zimmer begab, wo ich mir sehr gute Photographien von Meierheimschen Genrebildern und schönen neueren Gemälden ansah, wobei mira der Baumeister Erlkamp [?] Erläuterungen ertheilte; dann nahm ich nach einer Unterredung mit der Frau Eichmann das gewöhnliche Abendbrot ein und spazierte beim schönsten Wetter nach Haus zurück.

Freitag 16 hatte ich wieder Sehnsucht in die Kammer, wo heute die Debatte wegen Absetzung der reaktionären Beamten vorkam. Ich ging mit Sophie zu Frau von Ammon, die mich schon lange um Einiges aus Deinen Briefen gebeten hatte. Ich las ihr also den letzten über Deine Beschäftigung dort und einen || Reisebericht vor, worüber sie sich sehr freute und mir dankte. Wir wurden hierin von Frau Kortüm unterbrochen, die sich auch schon lange Mittheilungen aus Deinen Briefen erbeten hat, die sie besonders intereßiren würden, weil sie mit ihrem Mann ¾ Jahr in Italien, auch in Palermo, gewesen ist. Nachdem sie fort war, gingen wir um 1 Uhr wieder in die Kammer, wo wir ebenso wie das vergangene Mal in der diplomatischen Loge vortreffliche Plätze erhielten. Leider hatten wir schon ein kleines Démêlé zwischen dem Präsidenten Simson und Vincke versäumt, wohnten aber noch sehr intereßanten Reden von Ammon, der sehr gut sprach, Riedel, Reichensperger, deßen Gegner, Duncker, der Schwerin sehr angriff, der sich sowie Simons [!] zu verteidigen bemühte, Brämer, Decker und eine schlechte Rede von Hartmann. Wenigstens wurde motivierte Tagesordnung bezweckt und den Ministern die ganze Verantwortlichkeit hinsichtlich der Besetzung der Beamtenstellen zugewiesen. Wir aßen spät Mittag, angesteckt durch die Aufregung, die heute stark im Saal herrschte; wurde auf der rechten Seite gesprochen, murmelte man auf der linken und ebenso umgekehrt. Zum Kaffee gingen wir zu Untzers, wo eine fromme Beichtschwester, Vorsteherin irgend einer Stiftung unsere Gemüther gleichsam wieder in’s Gleichgewicht brachte, deren übertrieben frommen, unnatürlichen Ausdrücken Tante Julchen mit leuchtendem Gesicht zuhörte. Wir bewiesen uns sehr bald als Ketzer, als gegen 5 ½ Uhr Louis kam, um Sophie und mich zur Oper: Robert der Teufel abzuholen, die etwas zu lang und dadurch etwas ermüdend ist. Mir hat sie aber recht gut gefallen; die frischen, in’s Ohr fallenden Melodien klingen mir noch immer in den Ohren und die wundervollen Decorationen (das Stück spielt bei Palermo) von Palermo, dem Pellegrino, die Rosalienkappelle etc. in den schönsten blauen, südlichen Duft gekleidet, gaben || meinen wandernden Gedanken nur allzuviel Nahrung, wenn es der Musik nicht mehr gelingen wollte, mich zu feßeln. Übrigens wurde recht gut gesungen und sah ich die Taglioni in ihrer Grazie und b Formenschönheit zum ersten Mal tanzen, was nämlich in der Rosalienkapelle [!] geschieht. Dein Alter und Frau Lampert nebst Bräutigam waren auch da.

Sonnabend 17 erwartete ich vergebens einen Brief und mußte mich noch dazu mit Strümpfestopfen trösten, der langweiligsten Arbeit, die ich mir denken kann. Von Zeit zu Zeit sprang ich auf und schaute in die lachende Sonne hinaus, die mich gar sehr in’s Freie lockte. Ich blieb aber sitzen und trug die Befriedigung davon, mehrere Paar Strümpfe wieder brauchbar gemacht zu haben. Nachmittag stärkte ich mich etwas in der Italia, übte und als Mutter und Sophie in einen großen Kaffee zu Voswinkels gingen, der glücklich auf diese Weise an mir vorüber ging, packte ich ein paar nothwendige Sachen zusammen und fuhr mit Tante Adelheid und den Kindern nach Potsdam herüber, die den Mittag hier Verlobungsfete gefeiert hatten. Zu der warmen, milden Frühlingsluft contrastirte der dichte Schnee, dem wir, je näher wir Potsdam rückten, begegneten. Dort schien noch vollständiger Winter zu sein. Außer Onkel Julius und Vetter Heinrich, fanden wir auch Herrn Schlötke dort, mit denenc ein gemüthlicher Abend verplaudert wurde. Tante Adelheid und die Kinder wußten nicht gering vom neuen Neffen und Vettern zu erzählen, wobei ich denn auch aufgefordert wurde, von Dir zu erzählen und mich tüchtig necken laßen mußte. Wir saßen noch bis gegen 12 Uhr beisammen wonach ich eine unruhige Nacht voller Träume und Wachperioden hatte, in denen Du komischer Weise nicht bei mir sein wolltest. Ich stand, obgleich um 6 Uhr wach, erst um 7 Uhr auf und vergaß bald die || dummen Träume, die weder wahr noch möglich sind.

Sonntag 18 blieb ich den ganzen Tag in Potsdam nebst Heinrich und Sophie, die um 10 Uhr ankamen und deretwegen das Ganze unternommen war. Leider hat sie doch keinen rechten Begriff von Potsdam bekommen, da Alles kahl, grau, die Statuen überkleidet, keine Schlößer geöffnet waren. Während die Andern in die Kirche gingen, spazierten Heinrich, Sophie, Vetter Heinrich und ich quer durch Sanssouci in das neue Orangeriehaus, deßen sehr einfach aber geschmackvoll eingerichtete Sääle jetzt ganz fertig sind. Unter den Rafaelschen Kopien suchte ich mir meine Lieblinge heraus, entzückte mich an dem reizenden Bachus in der Muschel, einer Marmorstatue und unterhielt mich viel mit dem Führer, der mit dem König in Italien gewesen ist und viel gesehen hat. Oben auf dem Thurm hatten wir bei klarer Beleuchtung eine schöne Aussicht. Unten erwartete uns Theodor, der auch herüber gefahren war und der noch einen weiten Spaziergang mit uns zwischen den kahlen Bäumen in der herrlichen Frühlingsluft machte, von der ich nicht wenig schlucken konnte, obgleich überall noch Schnee lag. Hiernach ließen wir uns das Mittagbrod prächtig schmecken, konnten aber der Lockung nach draußen nicht widerstehen; gingen in den Garten und schneeballten uns gegenseitig dermaßen, daß wir ganz aufgelös’t in’s Haus zurückkehrten und uns durch Kaffee beruhigen ließen. Gegen 5 ½ Uhr brachen wir wieder auf, um Sophie in den Römischen Bädern unser Beider Liebling: Hermann und Doroth[ea]d zu zeigen; leider war Aber [!] dort Alles verrammelt und verpackt und Niem[and]e zum Öffnen dort; wir gingen also weiter über Charlottenhof hinaus und [kehr]tenf erst gegen 7 Uhr heim, um an recht harmlosen, kindlichen Spielen Theil zu nehmen. Erst wurde Mehl geschnitten, in dem eing Ring steckt, der von Einem aus der Gesellschaft mit dem Munde herausgeholt werden mußte, nachher wurde Watte gepustet, eine Anstrengung für die Lunge, die die Lachmuskeln nicht weniger anstrengte. Beim Thee wurde geplaudert und gescherzt und um 9 ½ brachen Heinrich, Theodor, Sophie und ich zum Bahnhof auf und gegen 11 Uhr waren wir bei Mutter. Ich hatte an dem Tage viel an den 18 März vor zwei Jahren gedacht, wo Du Dein Examen beendetest und mich lebhaft an Deiner Freude Theil nehmen ließ’st. Dem Wetter nach war dieser auch ein rechter Befreiungstag; ich fühlte den Lenz lebhafter denn je in mir, zauberte das Grün in Gedanken hervor und schwelgte schon an Deinem Arm unter den Bäumen umher.

Montag 19 machte ich mit Mutter zwei nothwendige Besuche und dann mit Sophie mehrere Besorgungen. Mittag aß ich mit Deinen Alten, Frau Weiß, die Dich herzlich grüßt, bei Tante Bertha; Abends waren Jacobis hier, die ebenfalls grüßen. Es ist die höchste Zeit, 6 Uhr; der Brief soll Dich doch noch in Italien treffen, drum Ade, Dir und dem schönen Italien. Der nächste Brief wird mir wohl melden, wo ich hinzuschreiben habe. Deine treue Aenni, die Dir innige Küße und Grüße sendet und Glück auf zur Weiterreise. ||

[Adresse um 90 Grad nach links gedreht]

Al Signore Dottore Ernesto Haeckel.

p. adr. Signore Mueller

Hotel Victoria

Messina (Sicile).

via Marseille

a korr. aus: mich; b gestr.: schönen; c korr. aus: dem; d Siegelausriss; Text sinngemäß ergänzt; e Siegelausriss; Text sinngemäß ergänzt; f Siegelausriss; Text sinngemäß ergänzt; g eingef.: ein

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-03-1860
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Messina
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 34494
ID
34494